Stecker-Solaranlage für Mieter: Lohnt sich das?

Was lange nur Hausbesitzern vorbehalten war, kann nun im kleinen Massstab auch für Mieterinnen und Mieter Realität werden: Mit einer Stecker-Solaranlage die Kraft der Sonne zur Stromerzeugung nutzen. Was braucht es dafür, und für wen lohnen sich ein bis zwei Panels auf dem Balkon oder der Terrasse?

7 Min.
Solarpanel an Balkongeländer

Das Potenzial ist so gross, dass es fast unglaublich erscheint: Auf Schweizer Hausdächern und -fassaden könnten jährlich bis zu 67 Terawattstunden (TWh) Solarstrom produziert werden, wie eine Studie des BFE ergab. Rein rechnerisch wären wir damit fast alle Sorgen in punkto Energieerzeugung los, denn in der Schweiz wurden im Jahr 2021 knapp 58,1 TWh Strom verbraucht. Ganz so einfach ist es aber leider nicht, denn wir brauchen den Strom vor allem dann, wenn die Sonne nicht scheint. Und an der Lösung der Speicherproblematik wird noch mit Hochdruck geforscht. Zudem wird sich der Strombedarf durch den Wegfall der fossilen Energien nochmals drastisch erhöhen.

Ein Kleinkraftwerk für den Balkon oder die Terrasse

Dennoch bietet die Kraft der Sonne bereits heute viele Möglichkeiten. Hausdächer und -fassaden, die mit PV-Anlagen ausgestattet werden können, gibt es genug. Doch vor allem Mieter haben darauf nur wenig Einfluss. Für sie gibt es jedoch Plug-&-Play-Solaranlagen. Diese sind die einfachste Möglichkeit, selbst Solarstrom zu produzieren und so einen Beitrag zur Energiewende zu leisten – auch wenn dieser limitiert ist. Denn die Anlagen dürfen aus Sicherheitsgründen maximal eine Leistung von 600 Watt erreichen. Mehr als zwei Solarpanels liegen darum nicht drin, je nach Hersteller und Modell leistet ein Panel heute 300 bis 380 Watt in der Spitze (Watt peak oder Wp). Die gängige Grösse ist zirka 100 × 170 cm, was die Montage an den meisten Balkonbrüstungen ermöglicht. Alternativ kann man das kleine Kraftwerk in den Garten oder auf die Terrasse stellen.

Keine Bewilligung nötig, aber eine Anmeldung

Für die Installation solcher Kleinanlagen braucht es in der Regel keine Bewilligung*, es gibt aber eine Pflicht, die Anlage beim Elektrizitätswerk anzumelden. Zudem sollte man die Hausbesitzer informieren, um hier allfälligen Bedenken zuvorzukommen. Die Panels werden einfach an einer Aussensteckdose angeschlossen. Der produzierte Strom fliesst dann über einen Wechselrichter ins Haus und kann dort verbraucht werden.

Mann auf Leiter schneidet Äste rund um Solarpanels ab
Die Reinigung der Solarpanels übernimmt der Regen, die Wartung beschränkt sich in der Praxis auf das Zurückschneiden von Pflanzen. (Foto: EKZ, Norbert Egli)

Was geschieht mit dem selbst produzierten Strom?

Nun zu den Details. Der produzierte Strom fliesst also in den Haushalt, wo er von den aktiven Stromverbrauchern direkt genutzt werden kann. Realität ist aber, dass tagsüber in den meisten Haushalten wenig Strom verbraucht wird. Ein beträchtlicher Teil des produzierten Stroms fliesst dann ins Netz. Um diesen Rückfluss messen zu können, muss der Haushalt einen Smart Meter der neueren Generation haben, also einen sogenannten bidirektionalen Zähler. Ist das der Fall, wird der Rückfluss gemessen und im besten Fall gibt es eine Einspeisevergütung, die zum Beispiel bei EKZ als Gutschrift auf der Stromrechnung erscheint. Hier sollte man sich vorab bei seinem Energieversorger schlau machen, denn nicht alle leisten für den eingespeisten Strom aus Stecker-Solaranlagen eine Vergütung.

Auf der Webseite www.pvtarif.ch gibt es eine Übersicht, wie viel die Elektrizitätswerke pro Kilowattstunde Solarstrom vergüten – für Stecker-Solaranlagen gilt der Tarif ohne Herkunftsnachweis (HKN).

Solarstrom selber verbrauchen zahlt sich aus

Bei EKZ etwa wird aktuell eine Vergütung von 5.6 Rappen/kWh im Hochtarif (4.25 Rappen im Niedertarif) geleistet. Als Abnehmer zahlt man im Hochtarif aktuell 18.49 Rappen/kWh (Niedertarif 13.86 Rappen/kWh). Die Preisdifferenz liegt darin begründet, dass im Konsumententarif neben den Stromkosten auch die Kosten für Netznutzung und weitere Abgaben enthalten sind. Der Nutzen ist also umso grösser, je mehr Solarstrom direkt im eigenen Haushalt verbraucht wird.

Der Nutzen ist umso grösser, je mehr Solarstrom direkt im eigenen Haushalt verbraucht wird.

Was kostet eine Stecker-Solaranlage?

Der Anschaffungspreis variiert, da es mittlerweile viele Hersteller gibt. Ein Set, bestehend aus zwei Solarmodulen, Wechselrichter sowie Befestigungsmaterial, Kabel und Stecker, kostet zwischen 950 und 1800 Franken. Kleinere Sets mit nur einem Panel sind ab gut 400 Franken erhältlich, je nach Leistung und Unterbau geht es bis gegen 800 Franken.

Bei Topten gibt es eine Liste mit Plug & Play Solaranlagen, die in der Schweiz erhältlich sind.

Eine lohnende Investition?

Doch wieviel Strom wird dabei überhaupt produziert und wie kann dieser genutzt werden? Ein Rechenbeispiel: Jährlich kann eine Plug-&-Play-Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 600 Watt ungefähr 500 bis 600 kWh Strom produzieren. Das entspricht in etwa einem Fünftel der Strommenge, die ein durchschnittlicher 2-Personen-Haushalt verbraucht (ca. 2500 kWh pro Jahr). Die Einsparung bei der Stromrechnung dürfte dann im Bereich von 80 bis 120 Franken pro Jahr liegen. Bei einer Lebensdauer von mindestens 20, eher 30 Jahren kann sich die Anlage also unter guten Bedingungen amortisieren. Falls zusätzliche Kosten anfallen, wird die Perspektive weniger attraktiv – extra einen Elektriker mit der Installation einer Aussensteckdose zu beauftragen oder einen kostenpflichtigen Zählerwechsel zu bestellen, muss man sich gut überlegen.

In den kommenden Jahren dürfte die Bilanz positiver ausfallen: Bei steigenden Strompreisen wird auch der selbst verbrauchte Strom wertvoller.

Klima und Umwelt profitieren garantiert

Bleibt noch die Frage der Umweltverträglichkeit. Bei der Produktion der Solarmodule wird Energie bei der Gewinnung der Rohstoffe, im Produktionsprozess und für den Transport verbraucht, die sogenannte graue Energie. Aufgrund der langen Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren zahlt sich dieser Aufwand aber mehrfach zurück. Und diese Bilanz verbessert sich durch die Entwicklung immer leichterer Konstruktionen, da sich Kostenvorteile vor allem durch Materialeffizienz erzielen lassen. Damit die Energiewende zu schaffen ist, zählt jedes Panel.

Der Schlüssel liegt im eigenen Verhalten

Wer aus seiner Mini-Solaranlage das Maximum herausholen möchte, sollte zu gewissen Verhaltensänderungen bereit sein. Stromverbraucher wie Kühl- und Gefrierschränke, WLAN-Router und weitere elektrisch betriebene Kleingeräte können tagsüber vom selbst produzierten Strom profitieren. Zusätzlich die Akkus von Laptop, E-Bike, Smartphone und Tablet aufzuladen, ist sinnvoll. Die Inbetriebnahme von Waschmaschine, Tumbler oder Geschirrspüler während der sonnigen Stunden kann den Eigenverbrauch weiter erhöhen. Gleichzeitig werden diese grossen Verbraucher allerdings zumindest zeitweise zusätzlich Strom aus dem Netz beziehen, so dass sich die Mühe im Hochtarif nicht auszahlt.

Bleibt also die Frage: Lohnt sich das überhaupt? Aus einer rein wirtschaftlichen Perspektive ist die Rendite einer eigenen kleinen Solaranlage nicht gesichert, der Ertrag ist gering. Die Investition ist aber ebenfalls überschaubar, viel Geld verlieren kann man nicht. Letztlich könnte der eigene Beitrag zur Energiewende die entscheidende Motivation sein, und unter diesem Aspekt lohnt sich die Anschaffung sicher. Denn Hand aufs Herz: Wir geben oft mehr Geld für weitaus weniger nützliche Dinge aus.

Einen Erfahrungsbericht von einer Familie, die seit 2021 eine Stecker-Solaranlage im Einsatz hat, gibt es im Magazin Blue von EKZ – inklusive Checkliste zum Vorgehen ganz am Schluss des Beitrags.

Wenn dann noch Fragen offen sind: Topten hat viele Antworten im Ratgeber Plug & Play Solaranlagen sowie im ergänzenden FAQ.

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    Katalin Hedinger

    Vor 3 Wochen

    Ich finde das eine gute Sache!

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  • Hans-Peter Graf

    Vor 3 Wochen

    Für mich ist das der richtige Weg

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  • Waldo

    Vor 2 Wochen

    darf man im Kanton Zürich wirklich eine Solaranlage ohne Baubewilligung an die Fassade oder Balkon montieren?

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    • Thomas Elmiger
      Thomas Elmiger

      Thomas Elmiger

      Vor 16 Stunden

      Wir empfehlen immer, die gewünschte Installation mit Vermieterschaft, Verwaltung oder Eigentümern abzusprechen und je nach Lage auch eine Anfrage ans Bauamt der Gemeinde. Im Kanton Zürich ist die Praxis dem Vernehmen nach bereits recht liberal, die rechtlichen Grundlagen sollen noch in diesem Sinne angepasst werden. Es kann aber auch im Kanton Zürich Ausnahmen geben, beispielsweise ans geschützten Gebäuden. (Siehe Absatz zum Aufklappen am Schluss des Artikels: https://www.energie-experten.ch/de/wohnen/detail/stecker-solaranlage-fuer-mieter-lohnt-sich-das.html#a3e1-aid)

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    Jean Schneider-Mathieu

    Vor 6 Tagen

    Sollte von EW viel mehr angepriesen werden, aber die EW’s verkaufen lieber Strom als von Privat zu kaufen. Es sollten ganze Quartiere mit Solar Panels ausgebaut werden, die Besitzer stellen ihre Dachflächen zur Verfügung.

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    Bruno Rütsche

    Vor 5 Tagen

    So weit so gut. Bei einem Stromausfall kann die von der Sonne allenfalls gelieferte Energie systembedingt nicht genutzt werden. Genau aber dann wäre es wünschenswert, den Kühlschrank/TFK, eventuell noch weitere Kleinverbraucher, zumindest zeitweise, weiter zu betreiben. Zu den Preisen, welche für diese Anlagen verlangt werden (ich finde sie überrissen) wäre es möglich, diese Zusatzfunktion einzubauen. Das würde sicher den einen oder anderen motivieren, eine solche Anlage anzuschaffen, zumal diese auch im Winter etwas Strom liefert, sofern sie vertikal montiert ist. Die Anlage wäre in grossen und ganzen gleich wie die Beschriebene. Der Strom würde in eine Steckdose eingespiesen werden. Bei Stromausfall darf dort jedoch nichts eingespiesen werden. Daher müsste die Anlage zusätzlich eine eigene Steckdose haben, an welcher mit einem Verlängerungskabel, zum Beispiel ein Kühlschrank oder TFK, angeschlossen werden könnte. Auch wäre noch eine zusätzliche kleine Batterie vonnöten. Diese könnte eine Bleibatterie in der Grösse und dem Preis einer Auto-Batterie sein.
    Es ist nicht die Kernaufgabe des EKZ das Klima zu «retten» oder die Folge von unverschuldeten Stromausfällen zu verhindern, ich denke aber, es würde dem EKZ gut anstehen, Nägel mit Köpfen zu propagieren.
    Die entsprechenden Impulse erwarte ich eigentlich von der Politik, an deren ernsthaftem Interesse, die Problem zu lösen, zweifle ich allerdings. Dazu gäbe es noch viel zu sagen, würde aber den hier zur Verfügung stehenden Rahmen sprengen.

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