Schulhaus in moderner Architektur, Glas und Holz dominieren
Bauen & Wohnen

Wärme mit der Rohrpost

Nah- oder Fernwärme aus Holzpellets ist ein sympathischer Energieträger: leitungsgebunden und erneuerbar. Doch der Aufwand für einen mit Biomasse betriebenen Wärmeverbund kann erheblich sein. Förderbeiträge erhöhen die Chance für eine Realisierung markant und sprechen für eine Prüfung des Projektes im «Stadium der Idee».

 

Othmar HummOthmar Humm3 min

Zwei Entwicklungsschritte stehen bei der Wärmeversorgung von Gebäuden an. Statt dass tausende von Heizkesseln jeweils nur ein paar Megawattstunden Wärme erzeugen, sollte der Bedarf zusammengefasst und mit einer XXL-Produktion gedeckt werden, wie das in der industriellen Fertigung üblich ist. Zudem sollte die Wärme aus erneuerbaren Quellen stammen. Beide Ziele lassen sich mit einem aus Biomasse alimentierten Wärmeverbund erreichen und damit Areale und Siedlungen, Quartiere und Industriezonen mit Wärme versorgen. Dass sich die Wirtschaftlichkeit schon vor der Planung relativ präzis erheben lässt, schützt vor unnötigen Kosten.

 

Wärmeverbund-Projekte erscheinen oft nicht rentabel

Wärmeverbünde bedeuten eine grosse Investition, vor allem die Erdarbeiten und die Installation der Wärmeleitung, aber auch die Planung und die Koordination. Auf der anderen Seite bietet ein Wärmeverbund, betrieben mit erneuerbaren Energien, im Vergleich zum Einsatz einer Einzelheizung mit erneuerbaren Energien eine attraktive Wärmelösung, weil in der Gesamtbilanz die Wärmekosten etwa gleich hoch sind, während der Aufwand für Wartung und Betrieb nur an einem Ort anfällt. Voraussetzung für die Kostenparität in Franken pro Megawattstunde ist eine lange Betriebsdauer des Verbundes.

Lufthygienische Relevanz

Das Heizen im Grossformat mindert die Schadstoffbelastung der Luft. Denn die Emissionen von Holzheizungen sind gemäss Bundesamt für Umwelt (BAFU) sehr stark von der Anlagegrösse abhängig: «Ein automatischer Betrieb ermöglicht eine Verbrennung bei konstantem Luftüberschuss, was in der Regel eine höhere Ausbrandqualität sicherstellt. (…) Bei handbeschickten Holzfeuerungen dagegen tragen die Anfahr- und Ausbrandphase entscheidend zu den Gesamtemissionen bei.» Aufgrund der Filterpflicht für Grossfeuerungen ist auch der Ausstoss an Feinstaub sehr viel geringer als bei Kleinfeuerungen, so das BAFU in einem Faktenblatt zum Thema (PDF). In Grossanlagen ist auch die professionelle Wartung der Feinstaubabscheider sichergestellt, was deren Wirkung deutlich verbessert.  

Aufgrund der Filterpflicht für Grossfeuerungen ist der Ausstoss an Feinstaub sehr viel geringer als bei Kleinfeuerungen.

 

Das Beispiel Hessgut in Köniz

Für die Erweiterung der Schulanlage Hessgut in Liebefeld realisierte die Gemeinde Köniz bei Bern einen dreigeschossigen Holzbau im Baustandard Minergie-P-Eco, was eine Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Quellen unabdingbar macht. Ein Anschluss an die mit Erdgas beschickte Heizzentrale der bisherigen Schulanlage auf dem Areal «Hessgut» war also keine Option. Diese Gaskessel standen ohnehin am Ende ihrer Betriebsdauer, sodass sich eine Verbundlösung zwischen neuem und altem Hessgut anbot. Diese Stossrichtung verdeutlichte sich, als das benachbarte Schulhaus «Steinhölzli», ebenfalls mit Erdgas beheizt, als zusätzlicher Wärmebezüger evaluiert wurde. Schliesslich kam der gesamte Nahwärmeverbund im September 2017 in Betrieb.

Wärme aus Holzpellets

In der Heizzentrale im Hessgut-Gebäude sind zwei Holzpelletskessel mit einer Leistung von je 245 kW installiert. Der rechnerische Bedarf beträgt 800 MWh pro Jahr – das entspricht 80'000 Liter Heizöl. Die Lösung garantiert auch eine Bedarfsdeckung während Spitzenlastzeiten und Revisionen der Aggregate. Dass sich die Wartung und Betriebsüberwachung auf einen einzigen Standort konzentriert, ist wirtschaftlich besonders vorteilhaft. Für 2020 ist eine Emissionsminderung von 158 Tonnen CO2 prognostiziert. Daniel Hofstetter von der Gemeinde Köniz kommentiert kurz und bündig: «Drei Stichworte sind ausreichend: Wir brauchen Investitionssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit!»

130'000 Franken Förderung von der Stiftung KliK

Der Wärmeverbund wurde in Kooperation mit der Stiftung Klimaschutz und CO2-Kompensation KliK, realisiert. Die Stiftung bietet im Rahmen des «Förderprogramm Wärmeverbünde» schweizweit Fördermittel für Wärmeverbünde mit erneuerbaren Energiequellen an.

Ein Wärmeverbund ist vor allem ein Verbund der Interessen.

Bislang wurden 28 Mio. Franken zugesprochen, der Förderbeitrag für den Verbund «Hessgut» beträgt 130'000 Franken. Die Beiträge belaufen sich auf 100 Franken pro anrechenbare vermiedene Tonne CO2 bis und mit 2030, was rund 2 Rp./kWh ergibt. Wichtig: Anmeldung vor Investitionsentscheid.

Informationen und Kontakt: www.waermeverbuende.klik.ch

  • Wärmeverbund mit Anschluss der Schulareale Hessgut und Steinhölzli
  • Wärmequelle: Pelletfeuerung
  • Trassenlänge: wenige 100 m, innerhalb eines Schulareales
  • Wärmeenergie: 802 MWh pro Jahr
  • Wirkungsbeginn: 2017
  • Reduktion CO2: 1318 Tonnen bis 2030 (Prognose)

  1. Klimapolitik: Erneuerbare Energien tragen zur Erreichung der CO2-Ziele der Schweiz bei.
  2. Betriebssicherheit: Einheimischer, lagerbarer Brennstoff; professionelle Betriebsüberwachung, Wartung und Instandhaltung.
  3. Skaleneffekt: Grossfeuerungen stützen die Wirtschaftlichkeit eines Wärmeverbundes.
  4. Lufthygiene: Automatischer Betrieb, Filterpflicht und Filterwartung mindern Schadstoffausstoss.
  5. Digitalisierung: Elektronische Elemente erleichtern Monitoring, Steuerung, Überwachung, Messung und Verrechnung.

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