An den Gebäudepark in der Schweiz werden hohe Ansprüche gestellt. Eine gesteigerte Energieeffizienz ist das Ziel. Die Architektur als Vermittler zwischen Gestaltung und Technik ist gefordert.

Die Entwicklung des Gebäudeparks in der Schweiz ist ein wichtiger Bestandteil der Energiestrategie 2050. Die Architektur vermittelt dabei zwischen ästhetischen Ansprüchen und den Anforderungen der Energieeffizienz. Zur entsprechenden Umsetzung bedarf es jedoch das Verständnis für die vorhandene Bausubstanz, denn Planer und Ingenieure sehen sich mit hohen Anforderungen konfrontiert. Dabei sind auch die Bedürfnisse von Bund und Kantonen zu berücksichtigen.

Kontroverser Dialog

Anspruchsvolle Aufgaben erwarten zukünftig den Gebäudepark in der Schweiz, womit vor allem die Architektur als Vermittler zwischen technischen Einflüssen und ästhetischen Ansprüchen gefragt sein wird. Während es dem historischen Gebäudebestand an dringend benötigter Energieeffizienz fehlt, erfordert es eine ganzheitliche Betrachtung zur Bewältigung dieser Herausforderungen. Architektur und Technik befinden sich im engen aber kontroversen Dialog, in dem die Energieeffizienz ein wichtiges Kriterium darstellt.

Die vier Säulen der Nachhaltigkeit – ökologische, ökonomische, gesellschaftliche und gestalterische Wertschöpfung – nehmen eine tragende Funktion ein bei der Behandlung dieser Thematik. Für Investoren ist die Gestaltung oftmals zweitrangig.

Intensiver Austausch zwischen den Beteiligten

Oftmals stimmt das Anspruchsdenken von Architekten und Nutzenden nicht überein. Deshalb ist ein intensiverer Austausch zwischen Planenden und Bauherrschaften dringend notwendig. Nur so können die gestalterischen Prinzipien verschiedener Parteien sichergestellt werden. Gleichzeitig wird vermieden, dass das präzise vom Architekten geplante Haus von den Bewohnenden geschätzt und in seiner Funktion sowie Einrichtung erhalten bleibt. Zudem muss der Nutzende mit den technischen Eigenheiten des Gebäudes vertraut sein. Was nützt das modernste Gebäude mit einer intelligenten, technischen Ausrüstung zur Reduzierung des Energieverbrauches, wenn die Bauherrschaft mit der Bedienung überfordert ist?

Generationsübergreifendes Handeln

Bauen ist eine integrative Handlung in einem der Gesellschaft zugehörigen Raum und erfordert eine ganzheitliche Betrachtung, wie es beispielsweise im Stöckacker Süd in Bern oder dem Franklinturm in Zürich umgesetzt wird. Die nachhaltige Zukunft kann und muss deshalb von allen Beteiligten mitgestaltet werden. Aufgabe der Baubranche mit Architektur und Ingenieurbaukunst muss es sein, dafür einen kulturellen und generationsübergreifenden Beitrag zu leisten.

Paradebeispiel Mehrfamilienhaus Brütten

Kürzlich wurde das erste energieautarke Mehrfamilienhaus der Welt fertiggestellt. Eine Besonderheit an dem Haus in Brütten sind die energieerzeugenden Fassadenelemente, die in ihrer Funktion nicht erkenntlich sind. Die Fassadenmodule aus Dünnschicht-Solarzellen mit einer Gesamtleistung von 47 kW verfügen zudem über eine matte, anthrazitfarbene Oberfläche. Das verhindert Spiegelungen und integriert das Gebäude optimal in sein Umfeld.

Neben der Photovoltaik an Fassade und Dach verfügt das Objekt unter anderem über Solarstromspeicher, thermische Speicher und Erdsonden. Mithilfe von Kurz- und Langzeitspeichern wird die überschüssige Energie gespeichert.

Wir begleiten dieses Projekt bereits seit einiger Zeit, nachzulesen hier: Ein Haus ohne Stromanschluss.

Bild: Umweltarena Spreitenbach

2000-Watt-Überbauung

Im Auftrag der Stadt Bern entsteht in Bern Bümpliz das Quartier Stöckacker Süd mit 146 neuen Wohnungen. Diese erfüllen die Anforderungen von Minergie-P-Eco und der 2000-Watt-Gesellschaft. Die Fertigstellung der Wohnüberbauung erfolgt etappenweise. Bereits im Herbst 2016 sind die ersten Einheiten bezugsbereit. Die übrigen Wohnungen sind voraussichtlich ab Anfang 2017 sowie ab Mitte 2017 bezugsbereit. Weitere Informationen sind zu finden unter: www.stoeckackersued.ch

Energiefranken – Von Förderprogrammen profitieren

Mit Blick auf die Energiestrategie 2050 stellen Bund, Kantone, Gemeinden und Elektrizitätswerke laufend Fördermittel zur Verfügung. Sie sind finanzieller Anreiz, um die Energieeffizienz und die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien zu fördern. Doch sich zu orientieren fällt oft schwer, denn die Zahl der Förderprogramme ist hoch und je nach Ort unterschiedlich. Über das Suchportal energiefranken.ch gelangen Privatpersonen und Unternehmen mit Eingabe der Postleitzahl schnell zu aktuellen Förderprogrammen an ihrem Stand- und Wohnort. Mehr Informationen unter: www.energiefranken.ch

Was ist die Energiestrategie 2050?

Die Schweiz verfügt heute über eine sichere und kostengünstige Energieversorgung. Wirtschaftliche und technologische Entwicklungen sowie politische Entscheide im In- und Ausland führen derzeit zu grundlegenden Veränderungen der Energiemärkte. Um die Schweiz darauf vorzubereiten, hat der Bundesrat die Energiestrategie 2050 entwickelt. Mit dieser Strategie soll die Schweiz die neue Ausgangslage vorteilhaft nutzen und ihren hohen Versorgungsstandard erhalten. Gleichzeitig trägt die Strategie dazu bei, die energiebedingte Umweltbelastung der Schweiz zu reduzieren.

2007 stützte der Bundesrat seine Energiestrategie auf vier Säulen ab: Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Ersatz und Neubau von Grosskraftwerken zur Stromproduktion (auch Kernkraftwerke) sowie Energieaussenpolitik.

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 haben Bundesrat und Parlament den schrittweisen Ausstieg der Schweiz aus der Kernenergie beschlossen. Dieser Entscheid sowie weitere tiefgreifende Veränderungen im internationalen Energieumfeld bedingen einen Umbau des Schweizer Energiesystems. Hierfür hat der Bundesrat die Energiestrategie 2050 erarbeitet. Sie führt die Stossrichtungen der Energiestrategie 2007 mit neuen Zielsetzungen verstärkt weiter. Grundsätzlich neu ist, dass die bestehenden fünf Kernkraftwerke am Ende ihrer sicherheitstechnischen Betriebsdauer stillgelegt und nicht ersetzt werden sollen.

Am 4. September 2013 unterbreitete der Bundesrat dem Parlament das erste Massnahmenpaket zur Energiestrategie 2050. Er will die vorhandenen Energieeffizienzpotenziale konsequent erschliessen und die Potenziale der Wasserkraft und der neuen erneuerbaren Energien (Sonne, Wind, Geothermie, Biomasse) ausschöpfen. Das Massnahmenpaket bedingt eine Totalrevision des Energiegesetzes sowie Änderungen in verschiedenen weiteren Bundesgesetzen. Das Parlament hat die Vorlage am 30. September 2016 in der Schlussabstimmung angenommen. Die Referendumsfrist läuft vom 11. Oktober 2016 bis am 19. Januar 2017.

Den Ausbau der erneuerbaren Energien hat das Parlament bereits mit einer Anfang 2014 in Kraft getretenen Änderung des Energiegesetzes (parlamentarische Initiative 12.400) verstärkt. Ebenfalls bereits in Kraft ist der Aktionsplan Energieforschung. Zur Weiterentwicklung des Stromnetzes hat der Bundesrat dem Parlament am 13. April 2016 zudem eine separate Gesetzesvorlage unterbreitet (Strategie Stromnetze).

In einer zweiten Etappe der Energiestrategie 2050 will der Bundesrat das bestehende Fördersystem durch ein Lenkungssystem ablösen. Er hat dem Parlament am 28. Oktober 2015 einen entsprechenden Entwurf eines Verfassungsartikels zur Beratung überwiesen. Dieser wird derzeit von der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrats (UREK-N) behandelt.


Dossier "Energiestrategie 2050" des Bundesamt für Energie BFE

 

Text: Bundesamt für Energie BFE

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