Olivier de Perrot, Architekt und Initiator von Salza.ch, die Online-Plattform für die Wiederverwendung von Bauteilen, erzählt, wie in seiner Kindheit sparsamer mit Material umgegangen worden sei. Jedes Stück Holz wurde genausten zugeschnitten und der Rest aufbewahrt oder einem anderen Zweck zugeführt. Die gegenwärtige Wegwerfmentalität, wo Verschwendung im Trend ist, hat ihn stark bewogen aktiv dagegen anzugehen.

Die Inspiration für eine Online-Plattform Salza ist ihm beim Besuch der Ausstellung "Matière Grise" im Pavillion de l'Arsenal in Paris 2014 in den Sinn gekommen. Die Vielfalt dieser Ausstellung zur Wiederverwendung hat de Perrot zum Fantasieren gebracht. Also es war eine Art geleiteter Zufall. "Matière Grise" wird durch Salza für die Schweiz 2017 an verschiedene Hochschulen gezeigt. Anhand von 75 internationalen Beispielen wurden einmalige Bauwerke unter Anwendung von gebrauchtem Baumaterial ein zweites Leben zugeführt.

So finden sich Beispiele wie die zweite Haut des neuen Europarat Sitzes in Brüssel, bestehend aus Eichenfenster der Mitgliedländer. Alte Ziegelsteine werden als Raumtrennungs-Elemente im umgebauten Schlachthof/Technopark in Madrid eingesetzt. In Massachusetts strukturieren Kolonaden eines Autobahn-Viaduktes eine Villa – ein paar der Projekte.

Europarat Brüssel, 2015, Samyn Architekt
Aus alten Dachziegeln werden Trennwände gebaut. (Madrid, 2009, Arturo Franco)


Ganz praktisch hat es bis jetzt an einer Vermittlung zwischen Angebot und Nachfrage von hochwertigem Baumaterial gefehlt, welches sonst dem Recycling zu geführt würde. Salza sollte diese Lücke schliessen. Das heisst, dass ein Anbieter und der Architekt, die Architektin genügend Zeit im Voraus haben müssen, um eine spannende Umsetzung zu ermöglichen. Was kreativ ist, aber auch Verhandlungsgeschick braucht.

Die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten sind gross. Es mögen kleine Interventionen wie die Umwandlung von Treppenstufen aus Kunststein zu einer Bar sein bis hin zu einer Fassade aus Altholz. Leider stösst de Perrot noch gegen Wahrnehmungs-Barrieren bei den Bauherren. Er sagt: "Meistens erkennen die Bauherren nicht, welches Potential in ihrer Abrissliegenschaft drin steckt. Eine wahre Fundgrube." Es brauche ein geschultes Auge, willige Handwerker und einen überzeugten Bauherr, dass eine einfache Triage gemacht werden kann. Interessant ist, dass viele Bauhandwerker ein sehr gutes Verständnis haben und sich freuen, wenn Bauelemente wieder verwendet werden. Durch eine intelligente Planung und einen effizienten Einsatz von Personal vor dem Abriss können Rückbauten zudem kostengünstig durchgeführt werden; weniger Material in der Mulde, ein Erlös wird für das Bauteil geleistet. Und last but not least: einen sorgfältigen Umgang mit den begrenzten Ressource.

Ein Beispiel aus der Schweiz liefert Pierre de Meuron. In Zusammenarbeit mit Charlotte von Moos und Florian Sauter hat er sein Elternhaus renoviert. Er beschreibt sein Projekt folgendermassen: "Die Zartheit und den Charme des bestehenden Hauses aus den 30er Jahren zu erhalten, war unsere Absicht. Wir wollten die bestehenden Struktur sanft wiederherstellen. Wir verbanden das Haus sorgfältig mit seiner natürlichen und städtischen Umgebung und vergrösserten es mit einer Verkleidung aus wiederverwendeten Tafeln im neuen Eckturm."


Auf dem Blog von Salza.ch sind stets die neusten Projekte ersichtlich und es können Bauteile angeboten oder gesucht werden.

Matière Grise

Wiederverwendung fasst Fuss in der Architektur, im Design und in der Innenarchitektur. Was in Europa etabliert ist, soll in der Schweiz unter dem Aspekt eines cleveren Gebrauchs, der Ressourceneffizienz und des Trends Schule machen. Die Ausstellung MATIÈRE GRISE, kuratiert von Olivier de Perrot (Salza.ch) zeigt 75 Beispiele aus Architektur und Bau – darunter einige preisgekrönte Arbeiten.

Vorträge und Führungen beleuchten Facetten dieses wiederentdeckten Prinzips der Wiederverwendung.

Die Ausstellung findet an folgenden Daten und Orten statt:

  • ETH Zürich vom 21. bis 28. Januar 2017
  • TriPôle Yverdon vom 21. März bis 9. April 2017


Flyer der Ausstellung in Zürich

Zum nächsten Beitrag