Der Gebäudesektor verursacht in der Schweiz rund ein Viertel der CO2-Emissionen. Um die klimapolitischen Ziele zu erreichen, müsste vermehrt eine Abkehr von fossilen Heizungen stattfinden. In Neubauten ist diese Veränderung bereits im Gange. Aber in Bestandsbauten wird immer noch in den allermeisten Fällen beim Ersatz eines Heizkessels weiterhin auf fossile Energieträger gesetzt.

Die Schweiz hinkt ihren selbstgesteckten klimapolitischen Zielen hinterher. Gemäss dem Pariser Klimaabkommen müsste der CO2-Ausstoss bis 2030 gegenüber dem Wert von 1990 halbiert werden. Doch bisher sinken die Emissionen nicht stark genug. Einen grossen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele könnte und sollte der Gebäudebereich leisten, der rund 27 Prozent der Treibhausgase freisetzt. Der Gebäudepark hat zwar seit 1990 trotz Zunahme der Einwohnerzahl und der Energiebezugsfläche seine CO2-Emissionen entlang des vorgesehenen Zielpfades um rund 23 Prozent (Stand 2016) gesenkt. Aber immer noch treten jährliche Schwankungen des Treibhausgasausstosses auf, wenn der Winter kälter wird und der Heizbedarf entsprechend zunimmt. So stiegen die CO2-Emissionen von Gebäuden im Jahr 2016 auf Grund des kalten Winters um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. 

Im Ersatz von fossilen Heizungen durch umweltfreundlichere Alternativen wie Wärmepumpen, Solarkollektoren oder Pelletheizungen liegt ein grosses Potenzial  zur weiteren Reduktion der CO2-Emissionen aus dem Schweizer Gebäudepark. Gemäss dem Fachverband der Gebäudetechnikbranche Suissetec waren im Jahr 2016 1,1 Millionen fossile Heizkessel in Schweizer Wohnhäusern im Betrieb. Wenn der Ersatz des alten oder defekten fossilen Heizkessels ansteht – und keine weiteren Sanierungsmassnahmen geplant werden – entscheiden sich immer noch die meisten Verwaltungen und Hauseigentümerschaften für das Festhalten an fossilen Wärmeerzeugern. 

Umstieg auf erneuerbare stellt die Ausnahme dar

Das zeigt etwa die Vollzugsuntersuchung Heizkesselersatz 2017 des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) des Kantons Zürich, deren Ergebnisse im Januar 2018 publiziert wurden. Die Untersuchung fragte bei 51 Fällen die Gebäudebewirtschaftenden unter anderem nach dem Grund für den Kesselersatz sowie dem Vorgehen bei der Wahl des neuen Heizsystems. Nur in wenigen Fällen wurde die fossile Heizung durch eine Wärmepumpe ersetzt. 

Die Gründe für dieses Festhalten an fossilen Heizungen scheinen primär in wirtschaftlichen Überlegungen zu liegen. Die Hälfte der Befragten führten tiefe Investitionskosten als ausschlaggebendes Argument für die Wahl einer fossilen Heizung an. Etwa 12 Prozent gab die Zuverlässigkeit der bewährten Heizsysteme als Hauptgrund an. Auffallend ist, dass nur ein Fünftel der Hauseigentümer bzw. Verwaltungen alternative Heizsysteme beim Ersatz geprüft hat. Die Planung wurde mehrheitlich (71 Prozent der Fälle) der Installationsfirma anvertraut. Dies deutet darauf hin, dass die Installateure die Hauptansprechpartner bei der Planung und möglicherweise auch für Fragen der Systemwahl sind. 

Dass ein unverhältnismässig hoher Aufwand den Wechsel zu umweltfreundlicheren Heizsystemen verhindert, konnte durch Prüfung der Bedingungen vor Ort ausgeschlossen werden. So wird Platzmangel oft als Grund für die Nichtberücksichtigung alternativer Heizsysteme beim Heizungsersatz angegeben. Doch die vorliegende Untersuchung fand bei gut zwei Dritteln der Liegenschaften genügende Platzreserven für die Installation alternativer Systeme vor. 

Auch in der Stadt Zürich bleibt fossil beim Heizungsersatz erste Wahl

Eine im September 2017 veröffentlichte Studie des Forschungs- und Beratungsunternehmens econcept fand heraus, dass in der Stadt Zürich (Liegenschaften der öffentlichen Hand und jene aus dem Gasrückzugsgebiet Zürich Nord wurden von der Befragung ausgeschlossen) zwischen 2012 und 2016 am häufigsten eine Gasheizung durch eine andere Gasheizung ersetzt wurde. An zweiter Stelle rangierte der Wechsel von Öl auf Gas. Obwohl nur 9 Prozent der Ölheizungen durch eine neue Ölheizung ersetzt wurde, blieben 84 Prozent der Heizsysteme nach wie vor auf fossile Energieträger angewiesen. Der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energieträger beim Heizungswechsel erwies sich als die Ausnahme. 

Die Entscheidung für den Ersatz durch ein fossiles Heizsystem wurde auch hier von den meisten Eigentümerschaften mit den Investitionskosten begründet. Auch die erwarteten Betriebs- und Unterhaltskosten wurden als wichtige Gründe genannt. Viele beriefen sich auf ungünstige Rahmenbedingungen wie Platzmangel oder einen zu hohen Wärmebedarf der Gebäude als Grund gegen ein nicht-fossiles Heizsystem. Allerdings zeigte sich auch, dass gut die Hälfte der Befragten, die beim Ersatz erneut auf fossile Heizungen setzten, eine Alternative mit Erneuerbaren gar nicht erst in Erwägung zog. Viele Entscheidungen beim Heizungsersatz, so auch das Fazit dieser Studie, scheinen ohne gründliche Beratung bzw. Informationsbeschaffung stattzufinden. 

Die Technik ist reif für den Umstieg

Wie die Wärmeversorgung in Gebäuden auf eine ökologischere Basis gestellt werden kann, ist eine Frage, die alle Beteiligten betrifft. Neben innovativen Produkten ist eine bessere Kommunikation der schon heute möglichen Handlungsoptionen von vitaler Bedeutung. Eine Betrachtung, die über die Anschaffungskosten hinaus auf die Lebenszykluskosten fokussiert, würde mehr Klarheit über die tatsächlichen finanziellen Verhältnisse schaffen. Auch bei den derzeitigen Öl- und Gaspreisen können sich die relativ tiefen Betriebskosten von alternativen Heizsystemen wie Wärmepumpen bei Berücksichtigung der CO2-Abgabe unter dem Strich als attraktiv herausstellen. 

Die meisten Lieferanten von Heizsystemen in der Schweiz sind bereits mit Produkten am Markt, die auch möglichen künftigen Vorschriften genügen würden. Wie diese aussehen könnten, zeigen die Mustervorschriften der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (MuKEn). Bereits haben Verbände und Firmen darauf reagiert. Firmen bieten zum Beispiel Kombinationen von fossilen und nicht-fossilen Wärmeerzeugern an, z.B. Heizkessel mit Solaranlagen oder Wärmepumpen. Finanzielle Anreize für einen stärkeren Einsatz von erneuerbaren Energien in Liegenschaften bietet das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen. Auch an Beratungsdienstleistungen, die den Umstieg auf eine ökologische Heizung erleichtern, fehlt es nicht. Im Rahmen des Programms «Starte!» bieten die Baudirektion des Kantons Zürich, die EKZ und die Zürcher Kantonalbank Veranstaltungen und individuelle Beratungen für Gemeinden und für Hauseigentümer. Neben der Finanzierungsberatung, der energetischen Standortbestimmung mit dem Gebäudeenergieausweis GEAK und einer Entscheidungsgrundlage für die Nutzung von Solarenergie gehört auch das Themenkomplex Heizungsersatz zu dem vom Programm bereitgestellten Beratungsangebot. 
Dass eine Wende in der Wärmeversorgung möglich ist, zeigt die Entwicklung im Neubaubereich. Im Kanton Zürich wurde vor gut 20 Jahren (im Oktober 1997) die Vorgabe an den Höchstanteil an nichterneuerbaren Energien in Neubauten eingeführt. Heute wird in einem Neubau kaum noch eine fossile Heizung installiert. Eine ähnliche Umstellung wäre nun auch beim Heizungsersatz in Bestandsbauten angesagt. Die Technik dazu ist bereits vorhanden.

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