Nicht nur die Vielfalt bei den Dämmstoffen ist enorm, auch in Bezug auf Ökologie klaffen die Werte weit auseinander. Darum gilt es bei der Planung, die Anforderungen klar zu eruieren und Materialien mit einer guten Ökobilanz zu wählen.


2015 wurde ein Team von Forschern des Fraunhofer Instituts mit dem GreenTec Award ausgezeichnet. Sie hatten einen umweltfreundlichen Schaumstoff aus Holz entwickelt, der zu hundert Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Um den Schaum herzustellen, wird das Holz in feine Partikel zermahlen, bis eine zähflüssige Masse entsteht. Diese wir mit Gas aufgeschäumt, während holzeigene Stoffe den anschliessenden Härtungsprozess unterstützen. «Man kann sich das ähnlich wie beim Backen vorstellen, wenn der Teig im Ofen aufgeht und fest wird», erklärt Volker Thole, Leiter des Fachbereichs Verfahrens- und Systemtechnik Holzwerkstoffe am Fraunhofer Institut. Langfristig könnte der innovative Holzschaumstoff erdölbasierte Schaumstoffe ersetzen – nicht nur in der Wärme- und Schalldämmung, sondern als Verpackungsmaterial, Verbundwerkstoff und für konstruktive Anwendungen.

Verschwindend kleiner Anteil Naturdämmstoffe

In der Dämmung der Gebäudehülle sowie von Decken und Wänden liegt enormes Energiesparpotenzial. Ein guter Dämmstoff sorgt dafür, dass die Wärme im Winter im Innenraum und im Sommer draussen bleibt. Dämmstoffe lassen sich nach den Kriterien Brand- und Schallschutz, Dampfdiffusion und Ökologie beurteilen. Grundsätzlich lassen sie sich in folgende drei Hauptkategorien einteilen: Zu den synthetischen Dämmstoffen gehören etwa der häufig verwendete Expandierte Polystyrol-Hartschaum (EPS) oder Polyurethan (PUR). Mineralische Dämmmaterialien sind beispielsweise Glas- oder Steinwolle, während zu den naturnahen Dämmungen unter anderem Holzfaser, Flachs, Schafwolle, Schilf oder Zellulose gehören. Relativ neu auf dem Markt sind Aerogel-Wärmedämmputze mit mineralischem Aufbau und einer 2- bis 3-mal geringeren Wärmeleitfähigkeit als herkömmliche Wärmedämmputze. Diese finden insbesondere in denkmalgeschützten Bauten Anwendung, da sie in einer äusserst dünnen Schicht aufgetragen werden.

Synthetische und mineralische Dämmmaterialien dominieren den Markt mit einem Anteil von gut 95 Prozent, während sich die Naturprodukte den verschwindend kleinen Rest am Kuchen teilen. Wirft man einen Blick auf die Ökobilanz, schneiden Zellulosefasern in Bezug auf Treibhausgasemissionen, graue Energie und Umweltbelastungspunkte (UBP) am besten ab. Dieser Dämmstoff wird aus Altpapier gefertigt und in loser Form oder als Matten verwendet. Zu bedenken ist allerdings, dass teilweise problematische Brandhemmer beigemischt werden. Eine ebenfalls deutlich bessere Ökobilanz als erdölbasierte Produkte (EPS, PUR) weisen Glas- oder Steinwolle auf. Bei der Herstellung von Steinwolle werden Steine bei rund 1500 Grad Celsius zum Schmelzen gebracht und zu einem Faserteppich versponnen. Nebst einer geringen Wärmeleitfähigkeit hat sie den Vorteil, dass sie unbrennbar und resistent gegen Ungeziefer ist. Ihr Preis ist allerdings höher als jener für EPS oder PUR.  

Aufgepasst beim Brandschutz

Naturdämmstoffe sind vielfältig einsetzbar mit teils sehr guten Wärme- und Schallschutzeigenschaften. Wer aber Materialien wie Schafwolle, Hanf, Kork oder Schilf einsetzt, muss wissen, dass diese zur Gewährleistung der hohen Anforderungen am Bau mit Zusatzstoffen für Brand-, Feuchte- oder Mottenschutz behandelt sind. «Im Einzelfall sollten daher die Inhaltsstoffe kritisch bewertet werden und ihre eventuelle Schädlichkeit ins Verhältnis zum Nutzen und zu vergleichbaren synthetischen Varianten gesetzt werden», schreibt der Verein Baubioswiss. Auch muss darauf geachtet werden, dass der Dämmstoff nicht permanenter Feuchtigkeit ausgesetzt ist und sich schnell wieder trocknen kann, da sonst die Gefahr von Schimmel und Fäulnis besteht. Laut Baubioswiss sind Naturfasern wie Schafwolle oder Flachs hingegen aufgrund ihrer tiefen Herstellungs-, Transport- und Rückbauenergien vorteilhaft in Bezug auf die graue Energie.

Derzeit wird am Fraunhofer Institut noch geforscht, welche Holzarten sich besonders gut als Grundstoff für den neu entwickelten Holzschaumstoff eignen und wie dieser in grossen Mengen industriell gefertigt werden kann. Laut dem Institut soll das neue Produkt bereits in wenigen Jahren auf dem Markt sein. Ob sich der Anteil der Dämmstoffe auf Basis naturnaher Ausgangsstoffe dannzumal erhöhen wird, wird sich weisen.


Titelbild: Schaumstoffplatten des Fraunhofer Instituts die zu 100 Prozent aus Holz bestehen.

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