Im Bereich des Neubaus wird das Konzept des „Nahezu-Null-Energiegebäudes“ eingeführt. Angestrebt wird ein Standard, der zwischen den heutigen Minergie- und Minergie-P-Anforderungen liegt. Bei Altbauten sollen die CO2-Emissionen schrittweise gesenkt werden.

Die harmonisierten Energievorschriften der Kantone werden weiter verschärft. Die Plenarversammlung der Konferenz der kantonalen Energiedirektoren (EnDK) hat die Revision der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2014) verabschiedet. Damit zeigen die Kantone, dass sie im Gebäudebereich mit der Energiewende vorwärts machen. Auf die zum vierten Mal revidierten Vorschriften MuKEn 2014 haben sich die Regierungsräte gemäss Mitteilung der EnDK vor einer Woche geeinigt.

Nahezu-Null-Energiehaus bei Neubauten und CO2-Reduktion bei Altbauten

Das sogenannte Basismodul soll in allen Kantonen vollständig umgesetzt werden. Damit erfüllen die Kantone die zu beachtenden Grundsätze im Energie- und CO2 -Gesetz des Bundes. Im Bereich des Neubaus wird das Konzept des „Nahezu-Null-Energiegebäudes“ eingeführt. Angestrebt wird ein Standard, der zwischen den heutigen Minergie- und Minergie-P-Anforderungen liegt. Das heisst konkret, dem Gebäude auf einem bestimmten Grundstück wird von aussen möglichst wenig Energie zugeführt. Die erforderliche Energie wird soweit als möglich auf dem Grundstück oder im und am Gebäude produziert. Zudem wird jeder Neubau auch einen Anteil seines Strombedarfes in Zukunft selber decken müssen.

Bei Altbauten sollen die CO2-Emissionen schrittweise gesenkt werden.  Beim Ersatz fossiler Heizsysteme muss deshalb in Zukunft zehn Prozent der bisher verbrauchten Energie durch den Einsatz erneuerbarer Energien oder durch Effizienzmassnahmen kompensiert werden. Zur Steigerung der Stromeffizienz im Gebäudebereich müssen innerhalb der nächsten 15 Jahre zentrale Elektroheizungen ersetzt werden.

Bei Neuinstallationen sind schon seit 2008 nur noch Boiler zugelassen, die neben Strom auch andere Energiequellen, wie beispielsweise Solarwärme, nutzen. Bestehende, rein durch Strom betriebene Elektroboiler, sind neu innerhalb der nächsten 15 Jahre entsprechend zu ergänzen oder zu ersetzen. Im Bereiche der Förderung wird der Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) mit Beratungsbericht obligatorisch, sofern der erwartete Förderbeitrag 10‘000.- Franken übersteigt.

Den Betrieb der Gebäudetechnik optimieren

Das Basismodul der MuKEn wird durch zusätzliche Module ergänzt, die von den Kantonen bei Bedarf umgesetzt werden können. Mit einem neuen Modul wird die Betriebsoptimierung für Nichtwohnbauten vorgeschlagen, die im Jahr mehr als 200‘000 Kilowattstunden Strom verbrauchen und nicht eine Vereinbarung für Grossverbraucher abgeschlossen haben. Die Eigentümer dieser Bauten sind gehalten, alle fünf Jahre ihre Gebäudetechnik zu optimieren und diese zu dokumentieren. Ein weiteres neues Modul sieht vor, dass neue Nichtwohnbauten ab einer Energiebezugsfläche von 5‘000 m2 mit Einrichtungen zur Gebäudeautomatisation ausgerüstet werden müssen, um den Energieverbrauch im täglichen Betrieb zu optimieren. Ein weiteres Modul sieht vor auch den Ersatz von dezentralen Elektroheizungen innerhalb von 15 Jahren zu verlangen.

Kritik von verschiedenen Seiten

Der Hauseigentümerverband (HEV) gibt zu bedenken, dass die Vorschriften im Bereich Altbauten zu erheblichen Kosten führen. Und im Bereich Neubauvorschriften belege die Schweiz auch heute schon eine Spitzenposition in Europa.

Auch der WWF kritisiert, allerdings in eine andere Richtung: Die Schritte gehen zwar in die richtige Richtung, seien aber zu klein für eine zügige Energiewende.

Und der Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) sieht mit den beschlossenen Massnahmen eine Behinderung der innovativen Energienutzungen mit Erdgas und Biogas, statt diese zu erleichtern.
Die veröffentlichten Stellungnahmen der Kritiker der revidierten Vorschriften:

HEV
WWF
VSG

 

Bild: Shutterstock

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