Gebäude gehören zu den grössten Energiefressern überhaupt. Vor allem bei Altbauten, bei denen Fassade, Fenster und Dach oft ungenügend isoliert sind, fallen hohe Wärmeverluste an. Wer eine Sanierung ins Auge fasst, sollte sich vorab gut informieren und unbedingt unabhängige Fachleute beiziehen.

Mehr als 40 Prozent des gesamten Energiebedarfs und etwa die Hälfte der CO2-Emissionen entstehen im Bereich von Bauten. In den privaten Haushalten verbraucht das Heizen des Wohnraums gemessen am Gesamtenergieverbrauch mit Abstand am meisten Energie, satte 70 Prozent sind es. Es folgt das Warmwasser mit 13 Prozent, die restlichen 17 Prozent gehen auf das Konto der diversen Geräte und Einrichtungen im Haushalt, die das Leben angenehmer und einfacher machen. Stichwort Kochen, Waschen, Licht, Unterhaltungselektronik.

In der Gebäudehülle steckt grosses Sparpotenzial

Wer also wirkungsvoll Energie sparen will, muss bei der Raumwärme ansetzen. Bei Neubauten sorgen mittlerweile diverse Vorschriften dafür, dass sowohl die Gebäudehülle als auch die Heizung einen hohen Effizienzstandard aufweisen. Bei Altbauten allerdings sind die Wärmeverluste durch ungenügend isolierte Fassade, Dach und Fenster gravierend. Der Verband Gebäudehülle Schweiz schreibt, dass eine umfassende Modernisierung bei Altbauten den Energieverbrauch um mehr als die Hälfte reduzieren könne. Auch Antje Horvath, Leiterin der Energieberatung beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) kann diese Aussage bestätigen. Sie spricht gar von einer Reduktion des Energieverbrauchs um bis zu 70 Prozent.

Wärmeverlust beim HausBild: Wärmeverluste durch die Gebäudehülle aufgeteilt nach Bauteil. Quelle: AWEL

Im Kanton Zürich, so schätzt die Energieberatung des AWEL, sind 100'000 von den insgesamt 190'000 Gebäuden energetisch nicht mehr auf dem heutigen Stand. Eine Sanierungspflicht für Besitzer jener Liegenschaften gibt es nicht. Mit diversen Förderprogrammen will der Bund und Kanton allerdings Anreize schaffen. Doch gibt es laut Antje Horvath einige weitere Gründe für eine Sanierung. „Mit einer richtigen Modernisierung der Gebäudehülle spart man langfristig Geld“, sagt Horvath. Gleichzeitig werde der Wert der Liegenschaft gesteigert und das Raumklima verbessert.

Am Anfang steht die unabhängige Analyse und Beratung

Doch wie findet man heraus, wie es um die Energieeffizienz des eigenen Hauses steht? Und wie gewinnt man einen Überblick, welche Massnahmen sinnvoll sind? Der Verband Gebäudehülle schreibt, dass es ohne eine umfassende Gebäudeanalyse und den Beizug von Baufachleuten nicht gehe.

Laut Antje Horvath ist dies mit dem Gebäudeenergieausweis der Kantone – kurz GEAK – am besten zu erreichen. „Ideal ist der GEAK Plus, bei dem zertifizierte und unabhängige Experten das Gebäude detailliert prüfen. Dann arbeiten sie bis zu drei mögliche Varianten aus, wie die Bauherrschaft vorgehen soll.“ Der GEAK Plus gibt auch Aufschluss darüber, wie viel die einzelnen Varianten kosten und welche Fördergelder der Bauherrn erwarten kann. Die Kosten für diese Analyse für ein Einfamilienhaus oder kleines Mehrfamilienhaus belaufen sich auf zirka 1'850 Franken, wovon der Kanton 300 Franken übernimmt. Zudem kann man die Ausgaben für energietechnische Analysen und Energiekonzepte von den Steuern abziehen.

Mit etappierter Umsetzung hohe Investitionen auf mehrere Jahre verteilen

Eine umfassende Dämmung der Gebäudehülle ist mit sehr hohen Investitionen verbunden. So kann eine Sanierung aus finanziellen Gründen in manchen Fällen nur etappiert umgesetzt werden, damit die Ausgaben über mehrere Jahre verteilt werden können. Dies bringt in der Regel auch steuerliche Vorteile mit sich. Zudem bleibt die Liegenschaft auch während den Bauarbeiten bewohnbar, was bei einer Gesamtsanierung je nach Tragweite des Eingriffs eher nicht mehr möglich ist. Insgesamt fallen die Baukosten bei einer Etappierung allerdings höher aus. Auf jeden Fall aber muss bei der Umsetzung in Etappen von Anbeginn ein Gesamtkonzept erarbeitet werden, in dem die Massnahmen aufeinander abgestimmt sind. Dabei spielt auch die Reihenfolge eine entscheidende Rolle.

Häufige Stolpersteine

Fachleute empfehlen beispielsweise, zuerst die Gebäudehülle zu sanieren, bevor die Heizung ersetzt wird. Ansonsten hat man unter Umständen eine überdimensionierte Heizung, die dadurch weniger effizient im Betrieb und teurer in der Anschaffung ist. Oder beim Austausch der Fenster muss daran gedacht werden, dass später einmal die Aussenwand zusätzlich gedämmt wird. Die Breite des Blendrahmens darf eine spätere Dämmung der Fensterlaibung nicht verhindern.

Der Verein Gebäudehülle Schweiz empfiehlt folgende Reihenfolge:

  1. Ersatz der Fenster, neuer Sonnenschutz und Wärmedämmung der Fassade
  2. Dachsanierung bzw. Wärmedämmung des Estrichbodens / Dämmung Kellerdecke
  3. Heizkesselersatz, neuer Wasserwärmer
  4. Innenausbau: Küche, Bad, neue Leitungen, eventuell Einbau einer Komfortlüftung

Ein häufiger Fehler ist laut Antje Horvath, dass Anträge für Fördergelder nicht wie vorgeschrieben vor Baubeginn eingereicht werden. „Solche Gesuche müssen wir dann leider ablehnen.“ Auch hier gilt also: Sorgfältig planen, nichts überstürzen.

Weiterführende Links:
www.dasgebaeudeprogramm.ch: Informationen zu Förderbeiträgen beim Erneuern einer Liegenschaft
www.endk.ch: Kantonale Energieberatung
www.geak.ch: Gebäudeenergieausweis der Kantone, Liste unabhängiger Experten

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