In vielen Häusern ist das Innenraumklima belastet. Die Ursache liegt oft in Baustoffen und Möbeln, die organische Lösemittel enthalten. Formaldehyd ist der bekannteste, aber nicht der einzige Problemstoff.

Ständiges Kopfweh von Mietern oder Hauseigentümern ist häufig ein Signal: in diesem Haus stimmt etwas nicht. Dass ein Zusammenhang besteht zwischen der Bauqualität und körperlichen Symptomen von Nutzern, daran zweifelt heute wohl niemand mehr. Die Wirkungslinien sind allerdings nicht immer einfach nachzuzeichnen.

Möbel und Vorhänge nicht immer harmlos

Gesundes Bauen lässt sich vor allem in einem Neubau umsetzen. Doch giftige Stoffe kommen auch später in die Wohnung  – mit Möbeln und Textilien wie Vorhänge und Teppiche sowie mit Farbanstrichen oder Bodenbelägen. Oft ist sogar das Putzmittel "giftig", den Menschen zumindest nicht zuträglich. Mit jedem Einkauf und jeder Bestellung trägt man zur Luftbelastung bei. Denn Schadstoffe gelangen aus den Materialien an die Raumluft. Über Schleimhäute und Atemwege können diese Kleinpartikel die Gesundheit beeinträchtigen (siehe Tabelle weiter unten). Bewohnern macht auch elektromagnetische Strahlung zu schaffen. Besonders wirksam ist die Strahlung in Häusern in unmittelbarer Nähe zu Hochspannungskabeln. Untersuchungen zeigten aber auch, dass Bewohner bei Beschwerden von einer Elektro-Smog-Belastung ausgehen, die objektiv gar nicht vorhanden ist. Tatsächlich lässt sich eine Strahlenbelastung ebenso messen wie Radon oder andere Luftfremdstoffe (zum Beispiel Feinstaub).                         

"Flüchtige Stoffe"

Besonders gefürchtet sind die flüchtigen organischen Verbindungen, weil sie schon bei Raumtemperatur aus dem Werkstoff in Wänden, Decken und Böden in die Raumluft "ausgasen". Die Fachleute sprechen von VOC, was Volatile Organic Compounds bedeutet. Laut Schätzung des deutschen Umweltbundesamtes stammten 2003 die Hälfte der VOC aus Produkten wie Baustoffe und Alltagsgegenständen. Kinder sowie ältere und sensible Menschen sind naturgemäss von diesem "Sick Building Syndrom" stärker betroffen. In vielen Ländern gelten mehr oder weniger wirksame Emissionsbeschränkungen, in der Schweiz ist eine Lenkungsabgabe auf VOC in Kraft.

Die laute Kritik von Fachleuten und ganz sicher auch staatliche Auflagen haben zu einem breiten Angebot von sogenannten sauberen Baustoffen und Materialien geführt. Verleimte und gepresste Bauplatten und Farben sind heute ohne oder nur wenig Formaldehyd erhältlich (Abbildung). Gleiches gilt für Farben, Lacke und Dichtungsmaterial wie Kitt für Fugen. Als Lösemittel kommt dabei Wasser zum Einsatz. Die Stiftung Farbe und Lignum (Holzwirtschaft Schweiz, www.lignum.ch) führen Listen von Produkten ohne belastende Lösemittel. Auf www.stiftungfarbe.org unter Verzeichnis sind Produkte mit einem Formaldehyd-Gehalt unter 15 ppm aufgeführt (15 auf eine Million Teile); sie tragen die Umwelt-Etikette der Kategorie A oder B.

Bild: Gesund und ökologisch bauen. BFE 2015


Wasser statt Formaldehyd: Zusammensetzung eines Anstrichstoffes, der mit Lösemittel (links) und mit Wasser (rechts) verdünnbar ist.

Bildquelle: Gesund und ökologisch bauen. BFE 2015

 

Gesundes Bauen in der Praxis: 6 wichtige Kriterien - hier als PDF herunterladen.

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