Energie aus dem Fenster hinauswerfen? – Das muss nicht sein. Mit dem Ersatz von veralteten Fenstern kann man viel kostbare Energie sparen. Damit die Sanierung gelingt, gilt es einige Punkte zu beachten.

Bei alten Gebäuden ist der Wärmeverlust durch ungenügend isolierte Fassade, Dach und Fenstern gravierend. Rund 20 Prozent der Verluste fallen bei den Fenstern an. Deshalb gehört zur energetischen Sanierung der Gebäudehülle auch der Ersatz der Fenster.

«Fenster sind seit jeher das schwächste Bauteil in der gesamten Gebäudehülle», sagt Beat Rudin, Geschäftsführer des Schweizerischen Fachverbands der Fensterbranche. Umso wichtiger ist es, Fenster möglichst luftdicht zu konstruieren, damit man nicht – im wahrsten Sinne des Wortes – aus dem Fenster hinaus heizt. «Seit rund zehn Jahren gilt ein massiv besserer Standard bei der Wärmedämmung von Fenstern», so Rudin. Mit gutem Grund: Im Vergleich zu alten Fenstern spart man mit modernen Fenstern bis zu 75 Prozent Heizenergie. Für veraltet und als wahre Energieschleudern gelten Fenster, die älter als 20 Jahre sind. Oder anders gesagt: alle Fenster, die nicht dreifachverglast sind. «Ein weiteres sicheres Zeichen für nicht mehr zeitgemässe Fenster sind Randverbunde aus Aluminium», sagt der Fensterfachmann. 

Welche Materialien? 

Bei der Auswahl des Rahmens spielen die Kriterien Wärmedämmung, Langlebigkeit und Unterhalt eine Rolle. Üblich sind fünf verschiedene Rahmenbauweisen, die alle spezifische Vor- und Nachteile haben. Holzfenster, Holz-Metall, Kunststoff sowie Kunstoff-Metall. Ausser Metalle (wie zum Beispiel Aluminium) weisen alle Materialien eine gute Dämmung auf. Je nach Fertigungsmethode können auch Fenster mit Aluminiumrahmen gute Dämmwerte erreichen. 

Bei der Verglasung gilt es, die Anzahl der Scheiben, die Beschichtung der Gläser sowie den Randverbund zu beachten. Heute bestehen Fensterverglasungen in der Regel aus drei Scheiben, welche in einem bestimmten Abstand fix miteinander verbunden sind. Diese werden transparent beschichtet, um die Wärmeabstrahlung zwischen den einzelnen Scheiben zu mindern, was sich wiederum positiv auf den Wärmeschutz auswirkt. «Ein bedeutender Teil der Wärme geht beim Übergang vom Glas zum Rahmen verloren, daher ist es von grosser Bedeutung, aus welchem Material der Glasrandverbund besteht», so Rudin. Heute wird dafür Edelstahl verwendet oder noch besser: Kunststoff. Aluminium-Abstandhalter gehören eindeutig der Vergangenheit an. 

Renovation oder Ersatz? 

Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Fenstersanierung: Renovation oder Ersatz. Bei der Renovation werden die Fenster direkt auf oder über den alten Blendrahmen montiert. Dies hat den Vorteil, dass keine Maurer- und Malerarbeiten nötig sind. Beat Rudin gibt jedoch zu bedenken, dass der belassene Rahmen intakt und insbesondere der Anschluss zum Mauerwerk dicht ausgeführt sein muss. Zudem muss immer auch ein Lichtverlust in Kauf genommen werden, sofern die äusseren Leibungen nicht gleichzeitig isoliert werden. «Mehrheitlich werden deshalb die Fenster bei einer Sanierung komplett ersetzt», so Rudin. 

Minergie oder Energieettikette? 

Das Minergie-Zertifikat bei Fenstern garantiert einen minimalen Verlust von Heizwärme über das Fenster. Dieser Wärmeverlust wird mit dem U-Wert ausgedrückt und soll möglichst tief sein. Der Wert ist über das ganze Fenster, also über alle Komponenten (Rahmen, Verglasung, Glasrand) hinweg zu betrachten. Die Energieetikette, welche die Fensterbranche im Jahr 2015 eingeführt hat, berücksichtigt zudem den Wärmegewinn, der in der kalten Jahreszeit durch das Fenster realisiert werden kann. Je nach Beschichtung der Verglasung werden die Räume im Gebäudeinneren mehr oder weniger durch die Sonneneinstrahlung aufgewärmt. Der solare Wärmegewinn wird mit dem g-Wert ausgedrückt, er bezeichnet den Anteil der Wärme, der durch die Gläser ins Innere des Gebäudes gelangt. Je höher der Wert, desto grösser der Energiegewinn. Die Energieetikette strebt nach dem besten Verhältnis zwischen Wärmeverlust und Wärmegewinn. Wenn der solare Gewinn eines Fensters grösser ist als der Wärmeverlust, dann wird es der besten Effizienzklasse A zugeordnet. 

Beim Neubau: Lieber wenige grosse, als viele kleine Fenster

Grundsätzlich sind wenige grosse Fenster besser als viele kleine Fenster, denn die Verglasung dämmt besser als der Rahmen. Sehr gut wäre es zudem, die Fenster – vor allem bei einem Neubau – möglichst in der Dämmebene einzubauen, sodass der Blendrahmen aussen überdämmt ist. 
 

Links: 
Energieetikette für Fenster mit einer Liste von zertifizierten Anbietern: http://fenster-energieetikette.ch 
Schweizerischer Fachverband der Fenster- und Fassadenbranche: www.fff.ch 

Intelligente Fenster

Materialforscher der Friedrich-Schiller-Universität in Jena (D) sind daran, intelligente Fenster – sogenannte Fluidikfenster – zu entwickeln, die sich auf Knopfdruck verschatten lassen und die sich zur solarthermischen Wärmegewinnung nutzen lassen. «Kernthema unseres Projekts ist die Nutzung von Flüssigkeiten in Gebäudehüllen, zum Beispiel als Wärmeträger oder um zusätzliche Funktionen in Fenster und Fassaden zu integrieren», schreibt die Universität Jena in einer Mitteilung. Im Prototyp wird die Flüssigkeit mit kleinsten magnetischen Eisenpartikeln angereichert, die sich mit Hilfe eines Magnets herausziehen oder durch Abschalten des Magnets wieder zuführen lassen. So wird das Fluidikfenster unterschiedlich stark abgedunkelt. Zusätzlich wird einfallendes Sonnenlicht zunehmend stark absorbiert, wodurch sich die Flüssigkeit erwärmt. 

Mehr Infos dazu: http://www.osim.uni-jena.de/Neuigkeiten/innovatives+Fenster.html 

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