Die Schweiz, „das Wasserschloss“ im Herzen Europas. Durchzogen von Flüssen, beseelt von zahlreichen Seen und regelmässig wiederkehrenden Niederschlägen, scheint der Gedanke Wasser als seltenes und schützenswertes Gut zu betrachten beinahe wunderlich. Doch das Wasser das vom Himmel auf unsere Hausdächer prasselt oder in unseren Gewässern weilt und fliesst, ist nicht dasselbe Wasser, dass aus unseren Wasserhähnen fliesst.

Zunehmende Schadstoffbelastung in Böden und Luft wirkt sich auf die Quellen unserer Trinkwasservorräte aus und macht die Trinkwasserwiederaufbereitung zunehmend teurer und aufwendiger. Tatsächlich werden in einem durchschnittlichen Haushalt tagtäglich bis zu 160 Liter Trinkwasser  von Herr und Frau Schweizer genutzt. Davon lediglich 2-5 Liter da wo es auch wirklich Trinkwasser braucht, nämlich zum trinken und kochen. Der Rest fliesst beim WC-Spülen, duschen, baden, reinigen und waschen in die Kanalisation. Schade eigentlich, denn für die meisten Zwecke braucht es im Prinzip kein Trinkwasser.  

Es gibt verschiedene Möglichkeiten diesem ineffizienten Umgang mit unserem Wasser entgegenzuwirken. Wieso nicht das Regenwasser auffangen und als Wasser für die Toilettenspülung und den Garten benützen? Wieso kaum verschmutztes Wasser nicht wieder aufbereiten und noch einmal für die Wäsche nutzen? Heute ist das nämlich möglich!

Und hier setzt das Prinzip der Brauchwasseraufbereitung und der Regenwassernutzung an: Nur zum Trinken und Speisen zubereiten ist wirklich Trinkwasser nötig – für die meisten anderen Tätigkeiten nicht. Das sammeln von Regenwasser oder die Wiederaufbereitung von gebrauchtem Trinkwasser ist eine sinnvolle Alternative, die Wasserkosten spart und die Umwelt schont.

Unsere Experten erklären Ihnen wo Möglichkeiten zum Wasser- und somit Energie sparen existieren und wie sich das mit den Kosten verhält.

Wo Sie auf Trinkwasser verzichten können

Ein durchschnittlicher Haushalt nutzt täglich rund 160 Liter Wasser. In der Regel Trinkwasser von höchster Qualität. Tatsächlich könnten jedoch diverse tägliche Verbrauchprozesse wie das Toiletten spülen, das Wäsche waschen oder je nach dem sogar die tägliche Dusche auch mit Wasser bestritten werden, für die es kein Trinkwasser braucht.

Die Inforgrafik unten zeigt Ihnen in welchen Bereichen des Haushalts Potential besteht Trinkwasser durch aufbereitetes Regen- oder Betriebswasser zu ersetzen und somit auch Energie zu sparen.

Als Betriebswasser wird das Wasser bezeichnet, welches zwar nicht mehr der Qualitätsnorm für den menschlichen Genuss genügt, aber den hygienischen Standards für die Toilette, die Dusche, oder das Wäsche waschen entspricht. Würden konsequent Toiletten, Wäsche, Raumreinigung und Garten mit Betriebswasser besorgt, könnten bereits 50% des täglichen Trinkwasserverbrauchs eingespart werden. Ein enormer Fortschritt im effizienter Einsatz des Wassers. Ausgeweitet auf die tägliche Hygiene wären sogar bis zu 90% Ersparnis möglich.

Regenwassernutzungsanlagen - Wie Regen die Energie-Kosten senkt

Eine Regennutzungsanlage bietet verschiedene Vorteile.

Im durchschnittlichen Schweizer Haushalt werden täglich rund 160 Liter Trinkwasser genutzt. Aber nur in ca. der Hälfte aller Anwendungen muss das Wasser auch dessen Qualität aufweisen (siehe Grafik oben: Betriebswasserverbrauch im Haushalt).

Wird das Regenwasser für die Toiletten-Spülung, das Wäschewaschen und die Gartenbewässerung genutzt, lässt sich der tägliche Trinkwasserverbrauch bereits um bis zu 50% reduzieren. Hinsichtlich der Waschmaschine kann zudem festgestellt werden, das weniger Waschpulver und Wasser-Enthärter für die Wäsche benötigt wird. Der geringe Kalkgehalt des Regenwassers verhindert zudem Kalkschäden an den Maschinen.

Bereits früh in Planung mit einbeziehen

Wenn man ein Haus neu oder umbaut, lohnt es sich, eine Regenwassernutzungsanlage in die Planung einzubeziehen. Ein Umbau zu einem späteren Zeitpunkt ist aufwändig und teuer, da Trink- und Regenwasser aus hygienischen Gründen durch separate und entsprechend zu kennzeichnende Leitungen fliessen müssen.

Für eine Regenwassernutzungsanlage brauchen Sie einen Tank, Filter, Pumpen sowie separat geführte Leitungsrohre. Als Wasserspeicher kommen eigens dafür installierte Zisternen im Garten, aber auch im Haus vorhandene, umgerüstete Heizöltanks in Frage. Steht der Tank im Keller, sollte man dafür sorgen, dass in den Raum kein Tageslicht einfällt, um die Bildung von Algen zu verhindern. Zudem darf das Dach, das den Regen auffängt, keine Schadstoffe oder Schwermetalle enthalten, die ausgewaschen werden können.

Für ein Einfamilienhaus reicht im Normalfall ein Regenwasserspeicher von 5‘000 Litern. Allerdings kann sich der Speicher in Trockenperioden leeren, und in diesem Fall muss man von Regenwasser- auf Trinkwasserversorgung umstellen können.

Unten sehen Sie zwei Beispiele für Systeme die das Wasserspeichersystem im Haus oder im Garten installiert sind.

 

Zwei Regenwassernutzunganlagen als Beispiel

Fig. 1: Hier ist der Wasserspeicher ausserhalb des Hauses, im Garten, unterirdisch angelegt. Durch die geringen Temperaturschwankungen und die Lichtabgeschiedenheit im Boden wird die Bakterien- und Algenbildung reduziert und die Wasserqualität kann langfristig hoch gehalten werden. Wird die Gartenanlage als Wasserauffangvorrichtung mitgenutzt, wird zudem die Auffangfläche vergrössert und mehr Wasser kann eingesammelt.

Das Regenwasser wird vom Dach und Garten des Hauses eingesammelt und in einen ersten Grobfilter in der Sammelanlage geführt. Anschliessend wird das Wasser noch durch einen Feinfilter gereinigt. Das Wasser steht danach für die Nutzung in Toilette, Waschmaschine, für den Garten oder auch zum Duschen zur Verfügung. Durch eine Pumpe wird das hygienisch einwandfreie Wasser nun zum Nutzungsort transportiert.

Fig. 2: Hier funktioniert die Regenwassernutzung ganz ähnlich. Das Wasser wird übers Dach und die Regenrinnen zuerst in einen ersten Grobfilter ausserhalb der Sammelanlage geführt und anschliessend durch einen Feinfilter gereinigt. Wiederum kann das Wasser nun durch eine Pumpanlage zur jeweiligen Verbrauchsstelle geführt werden. 

Quelle:
Fig. 1: www.die-regenwasseranlage.de
Fig. 2: Laach et al. 2013, Trinwasserversogrung, 82

Brauchwasseraufbereitung - Wasserrecycling im eigenen Haus

Ein grosser Teil des Wassers, das in einem durchschnittlichen Haushalt im Abfluss verschwindet, ist nur minimal verschmutzt. Es ist deshalb eigentlich nicht sinnvoll, es einfach der Kanalisation zuzuführen. Eine Grauwasseraufbereitungsanlage (zu Grauwasser, siehe Kasten) sammelt das Abwasser und reinigt es so weit, dass es noch einmal wiederverwendet werden kann.

Vor allem in der Dusche, Waschmaschine und Geschirrspülmaschine sammelt sich eine Menge Abwasser an, welches noch einmal genutzt werden kann.  Aus hygienischen Gründen meist nur für die Toilettenspülung. Doch allein dadurch lässt sich mehr Wasser sparen, als Sie vielleicht denken. Denn das WC schluckt fast 50 Liter pro Kopf und Tag – beinahe ein Drittel des Gesamtverbrauchs. Nutzt man das aufbereitete Wasser zudem auch für die Waschmaschine und die Dusche erhöht sich die Einsparung auf bis zu 90%.

Allein mit einer Brauchwasseraufbereitungsanlage lassen sich bis zu 90% Wasser sparen

 

 

(Quelle: www.energie-tipp.de)

Wie funktionierts?

Wasser das zum duschen, baden oder beim Hände waschen im Abfluss verschwindet kann durch eine Grauwasseraufbereitungsanlage wieder zu nutzbarer Qualität (Brauchwasser) zurückgeführt werden. Durch ein zweites, vom Trinkwasser getrenntes, Leitungssystem im Haus wird das Wasser in vier Stufen brauchbar gemacht. Hier ein Beispiel:

  1. Stufe: Sedimentation - Das Wasser wird in einen ersten Tank geleitet. Während einer ersten Verweildauer in diesem Tank setzen sich Partikel und Feststoffe (Haare, etc.) am Boden ab und werden weggeführt.
  2. Stufe: Biologische Reinigung -  Vom ersten Tank wird das Wasser in einen zweiten Tank geleitet. In diesem, wird das von Feststoffen und Partikeln gereinigte Wasser biologisch gereinigt. Organische Bestandteile werden mittels Luftzufuhr zersetzt und abgebaut. Man sagt dem auch „Belebung des Wassers“, da durch die Luft das Wasser in Bewegung versetzt wird.
  3. Stufe: Filtration - Das nun mechanisch und biologisch gereinigte Wasser wird nun in einen dritten Tank geführt, wo die Stufe der Filtration einsetzt. Am Boden des Tanks wird das Wasser mittels Druck der darüber stehenden Wassersäule durch einen dünnen Membranfilter gedrückt. Rund 99.9999% der Bakterien werden so herausgefiltert. Bereits nach diesem dritten Schritt kann das Wasser bereits wiederverwendet werden.
  4. Stufe: Klarwasser - Nach der Filtration wird das Wasser in einen vierten Tank geführt. Von hier aus wird es mittels einer Pumpe dem gewünschten Verwendungszweck zugeführt. Die Toilette, Waschmaschine oder der Garten können nun völlig unbedenklich mit Betriebswasser versorgt werden, welches ansonsten ungenutzt wieder in die Kläranlage geflossen wäre.

 

Lohnt sich eine Brauchwasseraufbereitung finanziell?

Eine Brauchwasseraufbereitungsanlage schlägt mit mindestens 10‘000 Franken Investitionskosten zu Buche. Einerseits für die Anlage, andererseits für die separaten Leitungssysteme für Brauch- und Trinkwasser. Haben Sie einen ausgedienten Heizöltank im Keller oder Garten, könnten Sie sich immerhin den Aushub und dessen Neuinstallation sparen.

Langfristig lohnt sich die Investition in eine Brauchwasseranlage. Und dies in zweierlei Hinsicht. Der Trinkwasserverbrauch lässt sich mit einer Brauchwasseraufbereitungsanlage um bis zu 90% reduzieren, was einer sehr effizienten Nutzung des Wassers entspricht. Das schont die Umwelt. Des weiteren fällt ein grosser Teil der Kosten für das bezogene Wasser weg, plus spart man auch bei den Abwassergebühren.

Eine Brauchwasseranlage ist übrigens in Kombination mit einer Regenwassernutzungsanlage sinnvoll. Sollte man nicht genügend Abwasser für den Gebrauch von WC und Waschmaschinen „produzieren“, könnte man dem Brauchwasser Regenwasser beimischen.

Fazit: Regenwassernutzung und Brauchwasseraufbereitung

Regenwassernutzungsanlagen sowie die Brauchwasseraufbereitung von Grauwasser zu Betriebswasser bieten enormes Potential um sparsam und effizient mit den verfügbaren Wasserressourcen umzugehen.

Bis zu 90% des Trinkwassers das wir jeden Tag nutzen, lässt sich so einsparen und das ohne Verlust der Lebensqualität.

Bis zu 90% des Trinkwassers das wir jeden Tag nutzen, lässt sich mit diesen Anlagen einsparen und das ohne Verlust der Lebensqualität.

 

Ein kleiner Wermutstropfen bilden jedoch die Installationskosten. Sollen diese Anlagen in ein bestehendes Gebäude integriert werden, ist aufgrund der aus den Hygienevorschriften hervorgehenden, getrennten Leitungssystemen für Trink- und Betriebswasser mit hohen Kosten zu rechnen. Bei einem Neu- oder Umbau Ihres Hauses, sollte die Möglichkeit einer solchen Anlage jedoch in die Planung miteinbezogen werden. Unsere Energie-Experten unterstützen Sie gerne beratend.

Exkurs: Verschiedene Wassserqualitäten und deren Begriffe

Wasser steht in der Schweiz in verschiedenen Qualitäten zur Verfügung. Anbei soll eine kleine Einführung in verschiedene Wasserqualitäten und deren Begriffe gegeben werden, die auch in diesem Blog Verwendung gefunden haben.

 

  • Trinkwasser: Trinkwasser ist Wasser, das natürlich belassen oder nach Aufbereitung bestimmt ist zum Trinken, zum Kochen, zur Zubereitung von Speisen sowie zur Reinigung von Gegenständen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen.

    Anforderungen

  1. Trinkwasser muss in mikrobiologischer, chemischer und physikalischer Hinsicht genusstauglich sein.
  2. Genusstauglich ist Trinkwasser, wenn es an der Stelle, an der es zum Gebrauch zur Verfügung steht der Hygieneverordnung des EDI entspricht, die hygienischen und mikrobiologischen Anforderungen der Hygieneverordnung erfüllt und bezüglich Geschmack, Geruch und Aussehen einwandfrei ist.

    (Verordnung des EDI über Trinkwasser)

  • Grauwasser: Die Europäische Norm 12056-1 definiert Grauwasser als fäkalienfreies, gering verschmutztes Abwasser, wie es etwa beim Duschen, Baden oder Händewaschen anfällt, aber auch aus der Waschmaschine kommt und zur Aufbereitung zu Brauch- bzw. Betriebswasser dienen kann.

    (Laasch et al. 2013, 82)

  • Betriebswasser: Oft auch als Brauch- oder als Nutzwasser bezeichnet, ist Wasser in einer spezifischen technischen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder hauswirtschaftlichen Anwendung dient. Betriebswasser ist anders als Trinkwasser nicht für den menschlichen Genuss vorgesehen, sollte jedoch einer gewissen Mindesthygiene entsprechen. Diese Mindeststandards werden von den zuständigen Behörden für den jeweiligen spezifischen Anwendungsbereich definiert.

    (Laasch et al. 2013, 82)

 

Quellen:

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