Ein regelmässiger Luftwechsel in den Innenräumen fördert die Gesundheit und das Konzentrationsvermögen. Richtiges Lüften reguliert die Raumluftqualität und den Feuchtegehalt. Es erhöht damit den Wohlfühlfaktor in den Räumen bei verminderten Energiekosten.

Das Lüften von Wohn- und Büroräumen beseitigt Luftverunreinigungen, die unter anderem beim Atmen und Schwitzen der Bewohnenden entstehen. Chemische Substanzen von Möblierungen oder technischen Einrichtungsgegenständen verlassen damit ebenfalls die Innenräume. Die frische, sauerstoffreiche Luft erhöht hingegen den Wohlfühlfaktor im Zuhause. Und wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus, weiss Roger Waeber, Spezialist für Innenraumluft vom Bundesamt für Gesundheit: "Je länger die Räume ungelüftet bleiben, desto höher ist die Schadstoffkonzentration. Kopfweh, Reizungen der Schleimhäute oder schweres Atmen bei Asthmatikern können unter anderem Anzeichen sein."

Mehrmaliges Lüften pro Tag

Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt mindestens dreimaliges Querlüften von fünf bis zehn Minuten pro Tag. Während des Lüftens sollten die Heizkörperventile zugedreht bleiben. Richtiges Lüften ist demnach Gewöhnungssache und kann trainiert werden. "Durchzug ist besonders empfehlenswert, weil die verbrauchte Luft schnell aus den Innenräumen verdrängt und durch die neue Luft ersetzt wird. Ratsam ist das Lüften nach dem Aufstehen, dem Nachhause kommen und vor dem Schlafengehen", rät Roger Waeber. Grundsätzlich richtet sich die Intensität und Anzahl des Lüftens jedoch nach der Personenanzahl. Diese kann beispielsweise in Büroräumen variieren. Weil sich die Luft in der Wohnung verteilt, müssen deshalb auch alle Räume gelüftet werden.

Ratsam ist das Lüften nach dem Aufstehen, dem Nachhause kommen und vor dem Schlafengehen

Passive Energiegewinne nutzen

Dauerhaftes Lüften ist hingegen unnötig. Dadurch kühlen die Innenräume im Winter stark aus, wodurch wichtige Wärmeenergie verloren geht und schlimmstenfalls Bauschäden entstehen. "Statt lang und wenig sollte kurz und intensiv gelüftet werden. Die Energieverluste sind gering, weil lediglich die neue Luft und keine Böden oder Möblierungen zusätzlich aufgeheizt werden müssen", erklärt der Spezialist vom Bundesamt für Gesundheit.

In den kalten Monaten sollten längere Kippstellungen der Fenster vermieden werden. Die warme ausströmende Luft kondensiert an den kalten Sturzflächen und neben Energieverlusten resultieren daraus Verfärbungen durch Algen und Schwarzschimmelpilzen an der Fassade.

Dichte Gebäudehüllen nachteilig

Wegen der praktisch luftdichten Gebäudehülle ist das regelmässige Lüften in Neubauten und sanierten Häusern besonders wichtig. Lüftungsanlagen können diesen Vorgang unterstützen oder gänzlich übernehmen. Dabei lässt sich mit einer Wärmerückgewinnung zusätzlich Energie einsparen. Grossflächige Fenster begünstigen im Winter passive solare Energiegewinne. Vorhänge oder Storen sollten daher tagsüber offen bleiben.

Luftfeuchtigkeit elementar

Neben dem Sauerstoff ist die Luftfeuchtigkeit massgebend für den Wohlfühlfaktor und den Energieverbrauch. Empfohlen wird im Winter eine Raumluftfeuchtigkeit von 30 bis 50 Prozent, die mit einem Hygrometer überprüft werden kann. Starkes Heizen kann zu übermässig trockener Raumluft führen. Um das Zimmer auf natürliche Art zu befeuchten, eignen sich beispielsweise Zimmerpflanzen oder ein nasses Handtuch auf dem Heizkörper. Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit entsteht hingegen Kondenswasser an kalten Bereichen der Aussenwände wie Fensterscheiben und kann Schimmelbildung begünstigen. Vor allem nach dem Duschen oder Kochen sollten Innenräume von hoher Feuchtigkeit befreit werden. Im Winter beschleunigt die trockene Aussenluft den Vorgang.

Kippstellungen vermeiden

Jürgen Blaich: "Bauschäden – Expertisen schaffen Klarheit", Faktor Verlag, 2014

Bewohner sollten längere Kippstellungen der Fenster im Winter vermeiden. Der Luftwechsel dauert länger als bei vollständig geöffneten Fenstern. Die warme, ausströmende, an den kalten Sturzflächen kondensierende Luft erzeugt neben Energieverlusten auch Verfärbungen an der Fassade durch Algen oder Schimmelpilzen. Infolge von Transmissionswärmeverlust gelangt die Wärmeenergie über die Aussenwand ins Freie. Die Wärmespeicherfähigkeit einer Aussenwand ist abhängig von der Konstruktion. Nach einem optimalen Lüftungsvorgang führt die in der Aussenwand gespeicherte Wärmenergie zu einem schnelleren Aufheizen der Innenräume. Energiekosten werden somit gespart.

Fenster in dauerhafter Kippstellung kühlen die Aussenwand hingegen rasch ab und verhindern einen optimalen Luftaustausch. Kalte Aussenwände fördern in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit die Schimmelbildung.

Tipps zum Lüften


  • Mindestens dreimal am Tag lüften bei einer Dauer von je fünf bis zehn Minuten.

  • Stosslüftung am effizientesten.

  • Längere Kippstellungen vermeiden.

  • Luftfeuchtigkeit von 30 bis 50 Prozent in der Heizperiode ist optimal.

  • Besonders in Neubauten und sanierten Altbauten ist das Lüften wegen den kompakten Gebäudehüllen wichtig.

Tipps zum Heizen

  • Heizkörper während des Lüftens abschalten

  • Gegenstände wie Möbel oder Vorhänge verhindern ein Aufwärmen der Innenräume, führen zu Wärmestau und höheren Energiekosten

  • Luft kann das optimale Zirkulieren des Wassers im Heizkörper beeinträchtigen. Trotz hoher Heizkosten wird die Wärme nicht vollständig an die Raumluft abgegeben. Ein Entlüften der Heizkörper beseitigt das Problem.

  • In Wohnräumen ist eine Temperatur von 20 bis 21°C optimal. Es ist besser die Kleidung anzupassen, als die Räume zu überheizen.

  • Eine kühlere Temperatur wirkt sich hingegen positiv auf den Schlaf aus. Eine Temperatur um 18°C ist deshalb in Schlafzimmern ideal.

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