Photovoltaikanlagen auf Einfamilienhäusern werden zwar mit einer Einmalvergütung unterstützt, müssen sich anschliessend aber vor allem über den Eigenverbrauch amortisieren. Wie ein möglichst hoher Selbstversorgungsgrad erreicht werden kann und in welche Richtung sich die Solarenergie entwickelt, dies erklärt der Leiter Solartechnik bei den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich, Marcel Schürch.

Mit jeder Kilowattstunde Solarstrom, welche Besitzer einer Photovoltaikanlage selbst erzeugen und verbrauchen, sparen sie im Vergleich zum Netzbezug Geld. Eine der grössten Herausforderungen dabei ist es, auch den Solarstrom zu nutzen, der zu Spitzenzeiten (bei besonders starker Sonneneinstrahlung) anfällt. Im Schnitt fliessen nämlich immer noch bis zu 80 Prozent des selbst erzeugten Solarstroms ins Netz - meistens zu Rückliefertarifen, die deutlich unter den Stromgestehungskosten einer Solaranlage liegen. (Lesen Sie dazu auch das Interview mit Karl Resch (Leiter Regulierungsmanagement, EKZ) zu den Rückliefertarifen.)

Das Ziel ist deshalb klar, den Eigenverbrauch des selbst produzierten Solarstroms zu steigern. Doch wie lässt sich das bewerkstelligen? Diese und weitere Fragen zur Zukunft der Solarenergie beantwortet Marcel Schürch, Leiter Solartechnik bei den EKZ.

Interview mit Marcel Schürch

Marcel Schürch

Herr Schürch, Sie sind Leiter Solartechnik bei den EKZ. Welche Produkte im Bereich Solarenergie werden von Ihren Kunden im Moment vermehrt nachgefragt?

Marcel Schürch: Der Trend geht weg von der klassischen reinen Solaranlage hin zu einem System, welches dafür sorgt, dass der Solarstrom bestmöglich genutzt wird. Beispielsweise möchten unsere Kunden den Warmwasserboiler mit Solarstrom aufheizen. Oder den Solarstrom in einer Batterie zwischenspeichern. Gerade bei Neubauten stelle ich zudem ein steigendes Interesse am Betreiben einer Wärmepumpe oder dem Aufladen eines Elektrofahrzeuges mit Solarstrom fest. Unsere Kunden wollen sich bestmöglich mit ihrem eigenen Solarstrom versorgen und einen möglichst hohen Selbstversorgungsgrad erreichen. Wir haben dafür den Ansatz einer integralen Steuerung gewählt. Über das dazugehörige Portal „einfachSolar“ haben die Kunden jederzeit vollen Zugriff auf ihre Steuerung. Sie können sich dort nicht nur über Produktion und Verbrauch informieren, sondern auch die Ansteuerung der Verbraucher bei Bedarf justieren.


Welche Fragen hören Sie häufig von Kundenseite?

Marcel Schürch: Der Renner ist die Frage nach der Batterie und ob sich diese rentiere. Eine vollständige finanzielle Amortisation ist derzeit kaum möglich. Rund die Hälfte der totalen Installationskosten müssen abgeschrieben werden. Das Spannende daran ist aber, dass wir den Eigenverbrauch einer Solaranlage mit einer Batterie- und Boileransteuerung auf bis zu 60% hoch bringen. Für die Kunden, die ihren Solarstrom bestmöglich nutzen möchten, ist das höchstinteressant.

Die Batteriekosten sind zudem in den letzten Jahren deutlich gesunken, wobei sich diese Tendenz fortsetzt. Zukünftig wird sich wohl nicht mehr die Frage stellen, ob eine Batterie installiert werden sollte, sondern nur noch welche.


Gibt es neue Technologien, die demnächst auf den Markt kommen?

Marcel Schürch: Bei den Solarmodulen gibt es kleinere jährliche Entwicklungen. Die Technik ist aber seit Jahren bewährt und die Effizienz nur noch minim steigerbar. Grosse Fortschritte sind noch in den Ansteuerungen der verschiedenen Haushaltskomponenten zu erwarten. Eine Waschmaschine lässt sich zwar schon heute ansteuern, aber die Handhabung ist noch umständlich. Entwicklungspotenzial besteht auch noch darin, eine E-Mobil-Batterie als Zwischenspeicher für die Energieversorgung des Haushalts zu nutzen. Dies dürfte irgendwann der Fall sein.


Welche Entwicklungen werden uns zukünftig noch erreichen?

Marcel Schürch: Ganz spannend werden die nächsten Jahre im Bereich des Solarstrom-Vertriebs. Es ist durchaus denkbar, dass sich Nachbarn den Strom gegenseitig verkaufen können. Sei es nun mit Hilfe eines Zwischenspeichers in Form einer Batterie oder direkt. Gut möglich, dass sich so ganze Areale in vollständiger oder teilweiser Autarkie bilden. Die Aufgabe des Elektrizitätswerkes wird es dann sein, die Steuerung dieser Netzwerke sicherzustellen und nicht mehr nur den Strom zu liefern.


Ergeben sich aufgrund der Annahme der Energiestrategie 2050 Veränderungen? Wenn ja, welche?

Marcel Schürch: Die Annahme der ES2050 war ein klares Zeichen der Schweizer Bevölkerung, dass etwas getan werden muss. Die Schweiz setzt auf erneuerbare Energien und es ist davon auszugehen, dass sie diese auch in Zukunft tatkräftig unterstützen wird. Denn nebst dem Vorteil der einheimischen Stromproduktion bieten die erneuerbaren Energien einer Vielzahl an Unternehmern die Möglichkeit, weitere Arbeitsplätze in der Schweiz zu schaffen.


Verzeichnen Sie eine Zunahme an Verkäufen aufgrund der Energiestrategie 2050?

Marcel Schürch: Ja, die Nachfrage ist gestiegen. Die Annahme der Energiestrategie 2050 war in Zürich eine Art Initialzündung für viele Kunden, welche nun überzeugt sind, dass Solarenergie einen wichtigen Part in der Stromproduktion der Schweizer Zukunft einnimmt.


Wo liegen die Herausforderungen beim Bau von Solaranlagen?

Marcel Schürch: Eine Solaranlage hat eine Lebensdauer von 30 Jahren und mehr. Das Dach sollte entsprechend für einen solchen Zeitraum vorbereitet sein. Ist es schon älter als 40 Jahre, muss wohlüberlegt sein, ob nicht doch zuerst eine Dachsanierung (Dämmung, Ersatz der Ziegel) sinnvoll wäre. Denn ist die Solaranlage erst installiert, sollte diese wenn möglich nicht mehr bewegt werden.


Was raten Sie einem Kunden, der eine Solaranlage kaufen möchte? Wie soll er dabei vorgehen?

Marcel Schürch: Die Solaranlage sollte mindestens den Jahresstromverbrauch des Haushaltes decken können. Deshalb muss er zuerst abklären, ob überhaupt eine genügend grosse Solaranlage aufs Dach passt. Auf einem geeigneten Portal wie zum Beispiel einfachSolar.ch kann er dann prüfen, ob auch die Kosten im Einklang mit den Vorstellungen sind. Zufriedene Kunden gibt es bereits: Familie Illi aus Stallikon optimiert dank den EKZ schon heute den Eigenverbrauch ihres Solarstroms.


Existieren falsche Vorstellungen über Solarenergie, die Sie bei dieser Gelegenheit einmal ausräumen möchten?

Marcel Schürch: Eine Solaranlage ist sehr viel günstiger, als viele meinen. Mithilfe der Einmalvergütung und der Steuerabzüge kostet diese auf einem Einfamilienhaus nur noch knapp mehr als 10'000 Franken.


Gibt es etwas, das Sie uns sonst noch mitteilen möchten?

Marcel Schürch: Es gibt viele Faktoren, welche den Wert einer Solaranlage in Zukunft positiv beeinflussen können. Ich bin überzeugt, dass sich der Strom über die Jahre (wir reden bei einer Solaranlage von einem Zeitraum von 30 Jahren) verteuern wird. Je teurer der eingekaufte Strom, umso mehr lohnt sich der Eigenverbrauch der Solaranlage und umso rentabler wird diese. Zudem gibt es bereits jetzt Bestrebungen, den Verkauf von Solarstrom an Dritte zu ermöglichen. Dies ist heute schon innerhalb eines Grundstückes der Fall, dürfte aber weiter geöffnet werden. Dank diesen Entwicklungen lässt sich die Solaranlage noch rascher amortisieren. Zusätzlich werden wir in Zukunft vermehrt Elektroautos fahren, welche wiederum Strom benötigen. Und nicht zu vergessen, die Einmalvergütung ist aktuell (noch) erhältlich. Alles in allem ist heute der perfekte Zeitpunkt, sich eine Solaranlage anzuschaffen!

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