Eine PV-Anlage ermöglicht es, die Stromkosten zu senken und sich autonom mit Energie zu versorgen. Erstmals belegt eine Studie nun sogar: Solarstrom macht glücklich!

Innerhalb seiner Masterarbeit in Sustainable Development (Nachhaltige Entwicklung) an der Universität Basel hat Thomas Schenk gegen 700 Personen mit und ohne Solaranlage nach ihrem subjektiven Wohlbefinden befragt. Die Kernaussage der Studie ist, dass sich PV-Anlagen positiv auf die Zufriedenheit mit dem Leben im Allgemeinen und mit der Wohnsituation auswirken. Dies gilt allerdings nur für Männer, bei Frauen ist die Wirkung interessanterweise umgekehrt. Grundsätzlich beeinflussen PV-Anlagen die Gefühle beim Stromverbrauch bei beiden Geschlechtern positiv.

Weitere Aspekte, welche die Studie zutage geführt hat:

  • 43.7 % der Hausbesitzer, die bis heute keinen Solarstrom nutzen, beabsichtigen eine PV-Anlage zu installieren.
  • 67.1 % der PV-Betreiber sagen, sie sparen Geld.
  • 87.7 % geben keine negativen Folgen in Form von optischen Beeinträchtigungen des Hauses an.
  • Besitzer von PV-Anlagen sind an Energieeffizienz interessiert und nutzen häufiger Installationen, mit welcher sich fossile Energien einsparen lassen. Sie sanieren beispielsweise ihr Haus energetisch, setzen Wärmepumpen ein, nutzen Sonnenkollektoren oder fahren ein Elektroauto / E-Bike.
  • Ob Hausbesitzer eine PV-Anlage betreiben, hängt nicht mit dem verfügbaren Haushaltseinkommen zusammen.

Wir haben mit Thomas Schenk gesprochen und ihn unter anderem nach seiner Motivation für das Verfassen dieser Studie gefragt.

Thomas SchenkBild: Thomas Schenk - Author und Verfasser der Studie «Macht Solarstrom glücklich?». Quelle: Thomas Schenk.

Was hat Sie dazu bewogen, eine Masterarbeit darüber zu schreiben, ob Solarstrom glücklich macht?

Thomas Schenk: In unserem Ferienhaus nutzen wir thermische Sonnenenergie bereits seit fünf Jahren mittels Sonnenkollektoren. Als wir uns vor dem Kauf der Anlage mit dem Thema auseinandergesetzt haben, richteten sich unsere Überlegungen vor allem auf die Kosten und die Amortisation. Als ich die Anlage dann aber in Betrieb hatte, merkte ich, dass sich etwas veränderte. Ich freute mich, dass ich nun warmes Wasser nutzen konnte, das die Sonne erwärmt hatte. Ich konnte dieses Gefühl nicht erklären. Als ich mich dann während meinem Studium mit Glücksforschung beschäftigte, merkte ich: Das könnte ein methodischer Ansatz sein, um dieser Veränderung auf meine Lebenszufriedenheit zu erklären.


Was genau, denken Sie, hat Sie glücklich daran gemacht, Solarenergie zu nutzen?

Thomas Schenk: Ich glaube, es war der Unterschied, dass ich wusste, woher die Wärme kam. Unsere Anlage hatte sie produziert und sie war ohne CO2-Emissionen entstanden.


Wieso haben Sie Ihre Studie dann auf die Photovoltaik und nicht auf Sonnenkollektoren ausgerichtet?

Thomas Schenk: Ich hatte das Gefühl, dass Sonnenkollektoren nicht mehr so gefragt waren. Deshalb habe ich den Effekt in Bezug auf Photovoltaikanlagen untersucht.


Sie schreiben in Ihrer Studie, dass Sie durch verschiedene Verbände, Energieversorger und Unternehmen unterstützt wurden, welche PV-Anlagen installieren.

Thomas Schenk: Ja, Swissolar, ee-news und weitere Supporter haben mir geholfen, indem sie den Link auf meine Online-Umfrage verbreitet haben. Ich brauchte allerdings auch Personen, die keine Solaranlage hatten. Die waren fast schwieriger zu erreichen. Für ein aussagekräftiges Ergebnis war es wichtig, möglichst viele Leute zu befragen.


Wurden Sie von einem Verband oder Unternehmen finanziell unterstützt?

Thomas Schenk: Nein, die Studie ist komplett unabhängig entstanden und wurde durch niemanden gesponsert.


Aus der Studie geht hervor, dass vor allem Männer mit einer Solaranlage auf dem Dach mit ihrem Leben im Allgemeinen wie auch mit ihrer Wohnsituation zufriedener sind als solche ohne. Liesse sich das nicht auch umdrehen und sagen, dass vor allem zufriedene Männer sich eine Solaranlage kaufen?

Thomas Schenk: Alles, was ich mit der Methode, die ich angewendet habe, sagen kann, ist, dass statistisch ein signifikanter Zusammenhang besteht zwischen einer Solaranlage und der Zufriedenheit von Männern. Dieser Zusammenhang kann aber natürlich in beide Richtungen funktionieren, das lässt sich nicht ausschliessen. Wo genau der kausale Zusammenhang besteht (das eine bewirkt das andere), das müsste man mit einer anderen Methode noch genauer herausfinden.


Wie lässt sich der positive Zusammenhang erklären?

Thomas Schenk: Aus der Glücksforschung gut ergründet sind zwei Dinge: Personen sind zufriedener, wenn sie das Gefühl haben, dass sich für sie etwas finanziell lohnt. Dies ist mit der Solaranlage gegeben, wenn sie damit die Stromkosten senken können. Auf der anderen Seite hat man auch herausgefunden, dass Personen zufriedener sind, die sich umweltfreundlich verhalten. Jetzt zeigt sich offenbar der gleiche Effekt bei der Verwendung von Solarstrom aus Photovoltaikanlagen.


Welche persönlichen Erkenntnisse ziehen Sie aus der Studie?

Thomas Schenk: Ich hätte ein besseres Gewissen, wenn ich Ökostrom aus einer Solaranlage nutzen würde, selbst wenn ich dann etwas mehr Strom verbrauche. Ich wohne in einer Mietwohnung und kann die Stromherkunft nicht bestimmen. Ich glaube, wenn ich wüsste, dass der Strom von einer Photovoltaikanlage auf dem Dach kommt, dann hätte ich mehr Freude daran, ein lange gegartes Gericht zu kochen und zu geniessen.


Würden Sie sich eine Solaranlage kaufen?

Thomas Schenk: Ja, an einer Solaranlage hätte ich Spass, wenn ich in einem eigenen Haus leben würde. Aber dann mit einem Batteriespeicher und möglichst intelligent, dass die Geräte, die viel Strom brauchen, dann laufen, wenn die Sonne scheint.


Lesen Sie auch die ausführliche Zusammenfassung der Studie «Macht Solarstrom glücklich?» von Thomas Schenk. 

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