Bauen & Wohnen

Solarstrom selber nutzen

Der Eigenverbrauch von Solarstrom lässt sich durch einfache Mess- und Verrechnungsmodi markant erhöhen – auch in Miet- und Stockwerkeigentümer-Liegenschaften.

Othmar HummOthmar Humm


„Produzenten dürfen die selber produzierte Energie am Ort der Produktion ganz oder teilweise selber verbrauchen (Eigenverbauch).“ Der Passus aus dem Energiegesetz ist bestechend klar. Weniger klar ist häufig die geeignete Umsetzung des „Eigenverbrauchsparagraphen“. Denn „Eigenverbrauch“ im Sinne des Gesetzes ist nicht nur in Einfamilienhäusern, sondern auch in Mietliegenschaften und in Bauten im Stockwerkeigentum möglich. Mit der ganz einfachen Schaltung, wie in Einfamilienhäusern üblich, ist dies aber nicht zu bewerkstelligen.

Im Einfamilienhaus denkbar einfach

Zwischen der Photovoltaik-Anlage respektive dem Wechselrichter und der Einspeisung ins Elektrizitätsnetz sind in der Regel zwei Zähler installiert, ein Solarstromzähler – mit Rücklaufsperre – sowie ein Bezugs- und Einspeisezähler des Elektrizitätswerks. Dazwischen zweigen die Leitungen für die Geräteversorgung ab, für Haushalt- und Bürogeräte, für Wärmepumpe und Elektrofahrzeug. Diese sind fallweise über ein Energiemanagementsystem (EMS) gesteuert. Hersteller von Wärmepumpen bieten auch Steuerungen an, die Zählerinformationen auswerten. Geht viel Strom ins Netz, weil der Eigenverbrauch klein ist, schaltet die Wärmepumpe ein – entsprechend einem smarten EMS.

Lösung für mehrere Einheiten

Für Bauten mit mehreren Wohnungs- und Büroeinheiten bieten sich zwei unterschiedliche Modelle an: die Zuteilungs- und die Verrechnungsvariante. Beim Verrechnungsmodell verkauft der Hauseigentümer – im Fall einer Stockwerkeigentümergemeinschaft die Verwaltung – den Mietern oder Eigentümern den im Haus produzierte Solarstrom. Selbstverständlich gilt nur jener Anteil als Eigenverbrauch, der synchron zur Stromproduktion in einer Wohnung genutzt wird. Die Verrechnung übernimmt das Elektrizitätswerk oder ein Beauftragter, beispielsweise die Verwaltung. Die Kosten dafür werden auf die Solarstrombezüger abgewälzt. Zudem sollte das Haus mit Smart Meters aufgerüstet sein, um den Aufwand in Grenzen zu halten.

Beim Zuteilungsmodell wird der Solarstrom nach einem Schlüssel den Einheiten zugeteilt. An erster Stelle dürfte bei den meisten Häusern der Allgemeinstrom positioniert sein. In zweiter Priorität kommen die Wohnungen zum Zug, was aber mit einem Nachteil verbunden ist. Denn die Eigenverbrauchsquote der Wohnungen ist in der Regel sehr verschieden; eine Optimierung zwischen den Wohnungen ist sehr aufwändig. Auch bei dieser Lösung sind Smart Meters von Vorteil.      

Eigenverbrauch verdoppeln

Der Anteil an selbst genutztem Solarstrom lässt sich durch Erweiterung der versorgten Verbraucher steigern. Vor allem Geräte, deren Betrieb nicht in einem engen Zeitkorsett liegt, können die Eigenverbrauchsrate verdoppeln (Beispiel: Waschmaschine). Interessant ist auch die Verbindung mit einem Speicher; beispielsweise einer Wärmepumpe mit Wärmespeicher, einem Elektroauto und E-Bikes oder gar einer separaten Batterie. Gemäss dem Verband Unabhängiger Energieerzeuger sind bei Nutzung einer hauseigenen Batterie Eigenverbrauchsraten von 80% möglich, etwa 50% wenn Haushaltgeräte und Wärmeerzeugung bedarfs- und angebotsgerecht zu- und abgeschaltet werden. Ob die Geräte von Hand oder durch ein EMS geschaltet werden, ist kaum von Belang. Voraussetzung ist allerdings, dass das Handling diszipliniert erfolgt.  

Fachleute zuziehen

Der Schritt zum All-electric-House mit einem hohen Eigenverbrauch ist in der Praxis nicht durchwegs trivial. Denn die Verbraucher „hängen“ in der Regel nicht an einer Phase, sondern sind verteilt auf alle drei Phasen einer Elektroversorgung. Das Elektrofahrzeug sollte ohnehin über drei Phasen aufgeladen werden. Ein vorgängiges Gespräch mit dem Elektrofachmann ist deshalb immer lohnend, häufig sogar Bedingung für einen zuverlässigen und sicheren Betrieb.

Ist mein Hausdach für eine Solaranlage geeignet?


Unter www.sonnendach.ch können Gebäude lokalisiert werden und es wird die Eignung für eine Solaranlage auf dem Dach angezeigt. Momentan sind 50% des Gebäudestandes erfasst; bis Anfang 2018 werden alle Hausdächer in der Schweiz verfügbar sein.

Für Liegenschaften im Versorgungsgebiet der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich kann zudem unter www.einfachsolar.ch direkt eine Richtofferte erstellt werden und wenn gewünscht ein Beratungstermin vor Ort vereinbart werden.

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Kommentare

  • Solarsepp

    21.08.2016 12:00:47

    Die Alectron solar AG aus Ruswil hat 2014 sehr erfolgreich die erste Solaranlage im CKW Gebiet für die Verbrauchssnlage in einem Mehr familienhaus installiert. Neben dem sportlichen Vergleich der Auswertungsdaten und Rentabilität, ist der Beitrag zum Erreichen der Klimaziele der lmmer grösser wedende Aspekt!! Die Alectron solar bietet Gesamtpakete von der Dachdsnierung, über Speicher , Energiemanagement und Mobilität an! Solar macht sympathisch!

  • Willi Höhener

    21.08.2016 19:05:25

    Solarstrom hat laut BAFU ca. 8 x mehr Treibhausgas-Emissionen als Wasser- oder Atomstrom und ist daher keine saubere Energie. Ich bezahle für den Bezug von 1 kWh Strom 6 Rp. für die Energie und ca.10 Rp Netzkosten und allgemeine Abgaben zuzüglich ca.1 Rp. Für KEV. Wenn ein Selbstversorger seinen Überschussstrom ins Netz einspeist sollten ihm auch die Netzkosten und die allgemeine Abgaben verrechnet werden. Das heisst Vergütung der Netz- und Allgemeinkosten . Somit müsste er für eine kWh Einspeisung dem Werk ca. 10 Rp./kWh für die zur Verfügung Stellung des Netzes und der allgemeinen Kosten bezahlen. Alles andere sind Geschenke der Strombezüger an die Privaten Solarstrom-Produzenten. Schmutziger Strom auf Kosten der normalen Strombezüger, eine Gemeinheit!

  • victor dambach

    05.09.2016 09:52:51

    guten tag, ich arbeite als PV - Solar - Wind Enregy Berater.

    habe für Insel anlagen eine studie ausgerabeitet die sehr interessant ist.

    möchte sie ihnen gerne zur beurteilung schicken.

    geben sie mir ihre E - Mail Afresse an.

  • Energie Experten

    08.09.2016 11:22:10

    Herr Dambach, Sie können uns unter info@energie-experten.ch erreichen.

  • Piero Pasini

    08.04.2017 12:30:06

    Guten Tag
    ich plane eine Solaranlage für mein Einfamilienhaus. Unsere Siedlung zählt insgesamt 48 Häuser, alle mit Giebeldach, südorientiert und daher eine absolut optimale Lage für die Nutzung von Solarstrom. Bei der nächsten Eigentümerversammlung im Mai 2017 möchte ich das Thema lancieren und allenfalls weitere Interessenten mit ins Bot nehmen.
    Ich suche eine Anlaufstelle für eine unverbindliche, umfassende Beratung unserer Lage (einerseits Lage und Potential für 1 Eigentümer wie ich, zweitens Potential für eine Voll- oder Teilbelegung der Siedlung). Wer würden Sie mir empfehlen?
    DAnke und viele Grüsse
    Piero Pasini

  • Christof Bucher

    11.09.2017 09:00:19

    Unter http://www.eigenverbrauchsrechner.ch lässt sich das Potenzial für Eigenverbrauch unter Annahme einfacher Lastoptimierungen berechnen. Für eine erste Abschätzung ist dies recht praktisch!