Leuchten halten selten, was sie versprechen. Derzeit testet das Lichtmesslabor der HTW Chur deshalb Referenzleuchten auf ihre Qualität. Patrik Janett, Dozent und Projektleiter an der HTW Chur, erklärt im Interview, wie er dabei vorgeht.

Bis zu 99 % der in der Schweiz verkauften Leuchten stammen gemäss Patrik Janett, Dozent und Projektleiter an der HTW Chur, aus China. Selten halten diese, was sie versprechen: „Die Qualität beim Direkteinkauf weicht um bis zu 50% ab!“, sagt der Dozent des neuen Studiengangs Photonics. Weil nicht alle Leuchten die Kriterien in Bezug auf Lichtqualität und Energieeffizienz erfüllen, halten es Topten und die EKZ für nötig, diese regelmässig zu testen und herausragende Exemplare mit dem Energieeffizienz-Label von Topten auszuzeichnen. Nur so erhalten Konsumenten eine verlässliche und neutrale Kaufempfehlung. Auch die Verkäufer profitieren vom Messprotokoll und können dank den Auswertungen ihre Kunden noch umfassender beraten. Das Lichtmesslabor der HTW Chur testet für Topten Referenzleuchten im Hinblick auf folgende Kriterien:

  • Stand-by Verbrauch
  • Powerfaktor (Blindleistung)
  • Farbtemperatur (warmer oder kalter Farbeindruck, den eine Lichtquelle auslöst. Manche LED verändern im gedimmten Zustand die Farbtemperatur, andere behalten sie konstant)
  • Farbwiedergabeindex (Abweichung der Farbwiedergabe vom Ideal der Glühlampe. Eine Glühlampe mit farblosem Glaskolben besitzt einen Farbwiedergabeindex (Ra) von fast 100, während LED Lampen einen Wert von 70 bis 95 erreichen. Ein Ra Wert von über 80 gilt als gut. Der Farbwiedergabeindex wird beim EKZ-Messprojekt nur als Empfehlung ermittelt, hat aber keinen Einfluss auf die Auswahl.)
  • Energieeffizienz (wird ausgedrückt in Lumen pro Watt. Je mehr lm/W, desto effizienter ist die Leuchte. Daraus ergibt sich dann der Jahresenergieverbrauch, bezogen auf 1000h Betrieb und 7760h Standby. Die Energieeffizienz geht ebenfalls aus der Energieetikette hervor.)

Die Testergebnisse werden im August 2017 an den Detailhandel abgegeben.

GoniometerBild: Mit dem Goniometer (griechisch Winkelmass) werden Lichtstrom und Abstrahlwinkel einer Leuchte ermittelt. Quelle: HTW Chur

Die Energie-Experten haben Patrik Janett, Dozent und Projektleiter an der HTW Chur, zehn Fragen zu den Messungen gestellt.

Weshalb ist es nötig, die Leuchten im Labor zu testen? Die Energie-Etikette gibt doch bereits ausreichend Auskunft über die Lichtqualität und die Energieeffizienz.

Patrik Janett: Das ist zwar richtig, aber auf der Energieetikette stehen nur die Effizienzklasse und der Verbrauch pro 1000h. Der Stand-by Verbrauch, wie auch die abgestrahlten Lumen und lm/W müssen darauf nicht (oder noch nicht) deklariert werden. Hinzu kommt, dass einige Leuchten mehr Energie benötigen und weniger Lichstrom (Lumen) abgeben als deklariert wurde. In einem Fall, einer LED aus Fernost, wurde nicht einmal die Hälfte des deklarierten Lumenwertes erreicht.

Welches ist die maximal zulässige Stand-by Leistung, welche Topten-Leuchten verbrauchen dürfen?

Patrik Janett: Vor allem LED Lampen mit einem integrierten Dimmer, aber auch solche mit einem on/off Schalter auf der Sekundärseite des Netzteils benötigen einen Stand-by. Dieser kann oft mehr Energie verbrauchen als während dem Betrieb. D.h. bei 3h Betrieb mit 5W ergibt dies 15Wh, während dem restlichen Tag zieht die Leuchte im Stand-by 0.8W. Dies ergibt einen Stand-by Verbrauch von 21h x 0.8W = 16.8Wh. Daraus ist ersichtlich, wie schnell eine Leuchte mehr Energie verbraucht, wenn sie nicht leuchtet, als wenn sie in Betrieb ist. Nach Topten Vorgaben darf eine Leuchte max 0.5Watt Stand-by Verbrauch haben und Leuchten mit eingebautem Dimmer, maximal 1 Watt.

Was empfehlen Sie Konsumenten beim Kauf einer Leuchte?

Patrik Janett: Der Konsument muss sich immer fragen, was er genau braucht. Wenn er eine Esstischleuchte sucht, dann sollte er darauf achten, dass die Lichtverteilkurve möglichst nahe an 360 Grad ist. Durch die richtige Ausleuchtung des gesamten Zimmers inklusive Decke entsteht so ein angenehmes Raumgefühl. Anders verhält es sich mit einer Leselampe. Diese soll das Licht möglichst gebündelt nach unten richten. Die Lichtverteilkurve wird beim Messprojekt aber nicht bewertet. Die Konsumenten erhalten bereits genügend Informationen mit der Energieeffizienz und der Lichtqualität.

Wieso wurde die Lebensdauer der Leuchten nicht getestet?

Patrik Janett: Bei der Lebensdauer von Leuchten stützt man sich auf die Deklaration des Herstellers. LED müssen mind. 15'000h ausweisen. Würden wir dies testen, hätten wir die Resultate erst in 2 Jahren, und bis dahin ist die heute getestete LED wieder aus dem Sortiment.

Nach welchen Kriterien wurden die Testleuchten ausgesucht?

Patrik Janett: Im Zuge des EKZ-Messprojekts „Wohnleuchten 2017“ haben wir Leuchten von Micasa, Lumimart und Coop getestet. In Bezug auf die Auswahl hatten wir folgende Kriterien: Leuchten müssen mind. 200 Lumen abgeben und einen Effizienzgrad von > 50lm/W ausweisen. Ebenfalls wurde in einem ersten Gang der Stand-by Verbrauch geprüft. Sogenannte Dekoleuchten wurden nicht aufgenommen, da es bei diesen Typen nicht um Energieeffizienz geht, sondern wie der Name es sagt, um Deko.

Wie gross war die Bandbreite der getesteten Leuchten in Bezug auf den Energieverbrauch?

Patrik Janett: maximal 1/3 der getesteten Leuchten wurden richtig deklariert. Bei den restlichen 2/3 resultierte ein Mehrverbrauch von mehr als 20%.

Gibt es auch Leuchten, die so schlecht abgeschnitten haben, dass sie aus dem Verkehr gezogen werden müssen?

Patrik Janett: Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Man kann eher von falsch deklarierten Leuchten sprechen. Und wo da die Schmerzgrenze liegt, kann ich nicht beantworten.

Mit welchen Herausforderungen wurden Sie während dem Prozess konfrontiert?

Patrik Janett: Jede Leuchte ist in sich speziell aufgebaut. Um da möglichst die richtige Messlage und Aufhängepunkt zu ermitteln, sind manchmal schon spezielle Tricks nötig.

Setzt sich die HTW noch in weiteren Punkten für eine hohe Energie-Effizienz bei Schweizer Leuchten ein?

Patrik Janett: Ja, aus der Zusammenarbeit mit Micasa hat sich ein zusätzliches Engagement ergeben. Wir treffen uns einmal im Jahr, um die Messungen zu diskutieren und eventuelle neue Vorgaben an die Mitarbeiter weiterzugeben, welche in China die Einkäufe vornehmen.

Welche Entwicklungen hin zu energiesparenden Leuchten haben Sie in den vergangenen Jahren mitverfolgt?

Patrik Janett: In der LED Technik hat sich in den letzten Jahren so ziemlich alles verändert, was sich ändern lässt. Da steht kein Stein mehr auf dem anderen. Die Technik hat sich auch dank dem Verkaufsverbot von Glühlampen so schnell verändert, wie kaum ein anderes Konsumgut.

UlbrichtkugelBild: Mit der Ulbrichtkugel werden an der HTW Chur Leuchtmittel auf ihre Lichtqualität und Energieeffizienz getestet. Quelle: HTW ChurEnergieetikette eines LeuchtmittelsBild: Die Energieetikette eines Leuchtmittels entspricht in den meisten Fällen der Richtigkeit. Quelle: Fotos by Sonja Köppel