E-Bike-Akku: Richtig kaufen, laden, reparieren oder ersetzen

Wie lange Akkus halten, ist bei elektronischen Geräten und deswegen auch bei E-Bikes ein viel diskutiertes Thema. Was kann man im Alltag tun, um dem Akku ein langes Leben bei bester Gesundheit zu ermöglichen? Wir erläutern einfache Massnahmen, die dazu beitragen, dass ein Akku möglichst lange seine Leistungsfähigkeit behält.

8 Min.

E-Bikes werden immer beliebter und sind mittlerweile weit verbreitet bei der Velo-begeisterten Bevölkerung in der Schweiz. Sie sind durchaus praktisch. Schnell gelangt man von A nach B, ohne dabei allzu sehr ins Schwitzen zu geraten. Nicht zuletzt ältere Personen sind dank der Unterstützung des Elektromotors wieder viel mobiler. E-Bikes ermöglichen es Pendlern, grössere Strecken zurückzulegen, als sie es mit normalen Velos tun würden. Dies entlastet den öffentlichen Verkehr und reduziert Autofahrten. Das wiederum ist auch gut für die Umwelt. Damit die Freude am E-Bike möglichst lange anhält und um unnötige Kosten zu vermeiden, sind jedoch ein paar Dinge zu beachten. – Die allermeisten Tipps helfen auch als Richtlinie für Akkus von Smartphones, Laptops und anderen elektronischen Geräten.

E-Bike-Akku – Ökobilanz problematisch?

Bei Akkus, ganz besonders bei Batterien von E-Fahrzeugen, gibt es einige umstrittene Themen. Die verwendeten Materialien müssen zum Teil aufwändig geschürft und mit erheblicher Belastung von Mensch und Umwelt abgebaut werden. Die Probleme werden aber häufig nicht objektiv betrachtet und fehlerhafte Vergleiche führen zu Mythen. Besorgniserregend sind Abbaugebiete in politisch belasteten Regionen und in Ländern, wo die Umweltvorschriften lasch gehandhabt werden und wo die wirtschaftliche Not gross ist. Dort sind Verbesserungen nötig. Über den Kauf von Produkten haben wir darauf aber nur einen sehr beschränkten Einfluss. Als Beispiel wird oft der grosse Wasserverbrauch in der Lithiumgewinnung genannt. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass fossile Antriebsenergie (Öl-Förderung) einen noch viel grösseren Wasserverbrauch verursacht. Generell sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Konsum – sei es durch Autos, E-Bikes oder auch andere Produkte wie Kleidung und Nahrungsmittel – enorm viele Ressourcen beansprucht, von den Rohmaterialien über die Herstellung und den Transport bis zum Gebrauch und letztlich zur Entsorgung beziehungsweise zum Recycling. Wenn man sich für einen Kauf entscheidet, ist es umso wichtiger, dass die Produkte möglichst gut und lang genutzt werden, um keine Ressourcen zu verschwenden. Das gilt genau so auch für Akkus.

Sechs wichtige Tipps für die Nutzung von E-Bike-Akkus

Quelle: Thomas Elmiger, Energie-Experten

1. Akku laden: 20 bis 80 Prozent hält am längsten

Wer im Alltag ein E-Bike regelmässig nutzt, sollte einige Dinge beachten. Bei modernen Lithium-Ionen-Akkus gilt die Empfehlung, den Ladestand des Akkus möglichst zwischen 20 und 80 % zu halten; also nicht jedes Mal 100 % aufzuladen und auch nicht ganz leer zu brauchen. Allein durch diese einfache Massnahme erhöht sich die Lebensdauer des Akkus enorm. Früher galt, dass man Akkus immer komplett aufladen und entladen musste. Damit sollte der Akku nicht beschädigt und die Lebensdauer deutlich verlängert werden. Diese Information ist jedoch überholt.
Heute ist die Empfehlung: Alle zwei bis drei Monate sollte man den E-Bike-Akku einmal komplett entladen und wieder aufladen. Dieser Vorgang hilft, damit das Batterie-Management-System den Zustand des Akkus erkennt und die Ladestandsanzeige korrekt ist. – Allgemein gilt: Beachten Sie die mitgelieferte Anleitung.

Nehmen Sie den Akku immer mit in die Wohnung und halten Sie den Ladestand zwischen 20 und 80 Prozent für eine lange Lebensdauer.

2. Akku lagern: Trocken, mässig warm und periodisch nachladen

Es ist normal, dass der Akku sich auch ohne Nutzung immer ein wenig entlädt. Diese Selbstentladung kann auf einfache Weise verlangsamt werden.

  • Akku über Nacht, während der Ferien und durch den Winter nicht am E-Bike lassen, sondern mit in die Wohnung nehmen.
  • Bei moderaten Temperaturen von 15 bis 25 Grad Celsius trocken lagern – also nicht zu heiss und nicht zu kalt.
  • Vor allem kalte Temperaturen sind Gift für den Akku. Deshalb so wenig wie möglich der Kälte aussetzen.
  • Auch starke Hitze und direkte Sonneneinstrahlung sind nach Möglichkeit zu vermeiden.
  • Bei längerer Lagerdauer (beispielsweise über den Winter, wenn man gar nicht Velo fährt) zwischen 40 und 60 % aufladen.
  • Bei Lagerdauer über drei Monate zwischendurch etwas nachladen, damit sich der Akku nicht komplett entleert.

3. E-Bike fahren: Touren der Akkukapazität entsprechend planen

Idealerweise wählt man die Strecke so, dass der Akku nie ganz leer wird. Damit spart man sich nicht nur die Anstrengung zum Schluss, wenn die Unterstützung ausfällt, sondern sichert auch ein langes Akkuleben. Einmal ist keinmal, aber wer den Akku häufig leerfährt, straft sich selbst mit abnehmender Leistung und Kosten für den vorzeitigen Akkuersatz. Internetforen können am Anfang hilfreich sein um abzuschätzen, wie weit eine Akkuladung reicht. Dennoch lassen sich Erfahrungen nicht 1:1 auf alle Personen und E-Bikes übertragen – zu gross ist der Einfluss von Fahrweise (leichte bis starke Unterstützung) sowie des Gewichts von Velo und Fahrerin oder Fahrer. Auch das Alter des Akkus, die Beladung mit Gepäck  und Gegenwind spielen eine Rolle. Zusatztipps: einen Zweitakku mitführen, der im Notfall eingewechselt werden kann, wenn die Leistung bereits vor Ende der Tour aufgebraucht ist, oder ein Ladegerät und Zeit für eine Ladepause einkalkulieren.

4. E-Bike kaufen: Das ist bezüglich Akku zu beachten

Bereits beim Kauf eines E-Bikes ist es entscheidend, dass Sie die optimierte Nutzung gemäss den vorstehenden Tipps im Hinterkopf haben.

  • Das E-Bike sollte einen herausnehmbaren Akku haben, damit Sie ihn im optimalen Temperaturbereich lagern können.
  • Keine Blei-Akkus: Diese sind eigentlich kaum noch im Angebot. Bei Billigmodellen und Occasionen sollte man aber genau hinschauen.
  • Akku mit guter Software
  • Wie lange gibt der Hersteller Garantie auf Funktion und Leistung?
  • Wie lange gibt es Ersatzteile?

5. E-Bike-Akku reparieren lassen

Wenn die Leistung des Akkus dennoch mit der Zeit abnimmt, stellt sich die Frage, was tun. Es gibt Firmen wie Upvolt, Accufit oder Swissvolts, welche anbieten, den Akku zu reparieren und wieder aufzurüsten. Dabei werden defekte Lithiumzellen durch neue ersetzt und der Akku wieder flott gemacht. Je nach Anbieter werden auch deutlich leistungsfähigere Zellen eingesetzt, was die Gesamtleistung des Akkus sogar verbessern kann im Vergleich zur Anfangsleistung zum Zeitpunkt des Velokaufs. Möglicher Haken von Akku-Reparaturen: Durch das Öffnen entfällt jegliche Garantie der Hersteller. Zudem sind die Kosten für das Auffrischen oft nicht weit vom Preis eines neuen Akkus entfernt – sofern Ersatz noch erhältlich ist.

Brandgefahr bei unsachgemässen Reparaturen

Velofachhändler legen den Fokus auf hochwertige Produkte mit zugehöriger Software für das Akkumanagement. Die Hersteller gewähren auch eine entsprechend lange Garantie – nach fünf Jahren noch 70 % der Ursprungsleistung – und sind sehr kulant bei Defekten wie etwa Wassereinbruch in den Akku. Aus Sicht der Fachleute gibt es noch weitere Aspekte zu berücksichtigen, etwa den der Sicherheit. Die Brandgefahr von beschädigten oder nicht sachgemäss reparierten Akkus ist nicht zu unterschätzen, so dass von vielen Servicestellen gar keine E-Bikes mit aufgerüsteten, reparierten oder sonst in irgendeiner Weise veränderten Akkus angenommen werden.

Marco Puma (zvg)

Lieber in ein qualitativ gutes E-Bike investieren statt in Billigware. Hochwertige Elektrovelos werden mit guter Akkusoftware, hoher Garantieleistung und Service verkauft.

Marco Puma von Veloservice Aarau

Gemäss Veloservice Puma in Aarau lohnt es sich, den Akku möglichst lange zu nutzen und allenfalls mit einem Zweitakku die Reichweite zu verlängern, bevor das E-Bike ersetzt wird. Ist die Leistung dann nach sieben bis zehn Jahren – bei durchschnittlicher Nutzung etwa 30’000 Kilometern – tatsächlich nicht mehr genügend gross, kann der Stromspeicher in eine Zweitnutzung oder ein zertifiziertes Recycling überführt werden.

6. Akku-Entsorgung: Dem Akku erst ein zweites Leben geben

Sinnvoller als eine Aufrüstung ist es generell, die gebrauchten Akkus anderweitig weiterzuverwenden, wenn die Akkuleistung fürs Velo nicht mehr reicht. Firmen wie beispielsweise das Start-up UpVolt schenken noch brauchbaren Akkus beispielsweise ein zweites Leben als Powerbank, Solarspeicher oder Offgrid-Speicher weiter. So kann ein Akku, welcher den Ansprüchen der Erstanwendung nicht mehr genügt, in einer Zweitanwendung nochmals bis zu 10 Jahre genutzt werden. Die bei der Produktion entstandenen Umweltbelastungen wie der CO2-Ausstoss und der Wasserverbrauch verteilen sich damit auf eine erheblich längere Nutzungsdauer. Die Anschaffungskosten der Produkte mit Recycling-Akkus verringern sich um bis zu 30 Prozent.

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  • Tony Mächler

    Vor 8 Monaten

    Danke für diä guäti Information beträff E Bike Accus.
    Dan

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  • Martin Elmiger

    Vor 8 Monaten

    Guten Tag

    Meinen Akku behandle ich seit Jahren gemäss Ihren Tipps. Ich habe mit meinem Flyer T11/2015 nach 5 Jahren und 8500 km den Akku testen lassen auf seine Leistungsfähigkeit. Es waren noch 90% «Ladefähigkeit» vorhanden.
    Ich freue mich aufs kommende Bike-Jahr.

    M. Elmiger

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  • Stefan

    Vor 8 Monaten

    Langsam setzt sich das Wissen durch, dass LiIon-Akkus nicht immer voll geladen werden sollen. Dies sollte noch mehr kommuniziert werden. Es fehlt aber v.a. an entsprechenden Ladegeräten. Nachträglich kann man nur durch eine Zeitschaltuhr (bzw. Timer) und einer durch Erfahrung abgeschätzten Zeitdauer dies beeinflussen. Besser sind Strommessgeräte (z.B. myStrom), die bei unterschreiten einer gewissen Leistung den Ausgang abschalten. Ab etwa 80% Ladestand nimmt nämlich die Ladeleistung langsam ab.
    Rekuperation ist bei Mittelmotoren vom Prinzip her kaum möglich (Leerlauf der Pedale muss ja sein). Der Nutzen ist auch relativ klein, denn meist lässt man es bergab einfach laufen. Nur bei grösserem (und längerem) Gefälle lohnt sich das Umschalten – ich kenne mindestens keine Variante, wo über die Bremse zuerst rekuperiert und erst bei starkem Bremsen die mechanische Bremse aktiviert wird.

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