Megabatterien aus E-Auto-Akkus stabilisieren das Stromnetz

In Frankreich hängt ein grosser Batteriespeicher am Netz, in dem auch ausgediente Automobilakkus ein neues Zuhause fanden. So können sich alte Fahrzeugbatterien nochmals jahrelang nützlich machen.

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Batterieblock in der Grösse eines Schiffscontainers

E-Auto-Batterien werden je länger je mehr ein zweites Leben haben, bevor sie dereinst ins Recycling gehen. Hier bekommen sie eine neue Rolle: Der Stationärspeicher des Technologieunternehmens The Mobility House steht seit Oktober 2020 im Produktionswerk George Besse Douai des Autoherstellers Renault. Die installierten Akkus sind zum Teil neu, ein Teil hat aber auch schon das «First Life» in einem E-Auto hinter sich. Wie die in Deutschland und in den Niederlanden bereits installierten Speicher aus Fahrzeugbatterien, nimmt jetzt auch der französische Speicher am Kurzfristhandel sowie am Markt für Primärregelleistung teil.

Wirtschaftliche Energiewende dank grosser Batteriespeicher

Batteriespeicher sind ein wichtiges Element im Strommarkt geworden, um die Netzstabilität zu gewährleisten und so eine wirtschaftliche Energiewende zu unterstützen. Immer mehr Kohle- und Kernkraftwerke gehen vom Netz und werden ersetzt durch die Produktion erneuerbarer, aber nicht gleichmässig anfallender Energie. Das erfordert zunehmend flexible Systemdienstleistungen.

Batterien als Zwischenspeicher stellen sicher, dass in Zeiten hoher Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien mehr und mehr auf konventionelle Kraftwerke verzichtet werden kann.

Die Grossbatterie in Douai ist aus E-Auto-Akkus zusammengesetzt, wie sie im Renault-Modell Zoe eingebaut sind. Der 4,7-Megawatt-Speicher wurde für die Teilnahme am Primärregelleistungsmarkt mit 4 Megawatt (MW) vorqualifiziert. Damit stellt The Mobility House in Deutschland, den Niederlanden und in Frankreich nun insgesamt 33 MW Primärregelleistung mit Elektroautobatterien bereit.

Die grössten Batterien der Schweiz

Zum Vergleich: 2018 ging in Volketswil im Kanton Zürich die damals grösste Batterie der Schweiz ans Netz, gebaut von EKZ. Diese speichert bis zu 7,5 MWh und leistet maximal 18 MW. Seit 2020 bewirtschaftet der Energieversorger Alpiq in Brunnen im Kanton Schwyz einen noch grösseren Speicher. Mit 20 MW Leistung und 18 MWh Kapazität stellt er genug Energie zur Verfügung, um beispielsweise mit 1400 Elektroautos je 100 Kilometer weit zu fahren.

Flexibilität von E-Auto-Speichern vermarkten

Das Unternehmen The Mobility House ist spezialisiert auf Technologien für die intelligent gesteuerte Be- und Entladung von Elektroauto-Batteriepaketen. Diese ermöglichen die Vermarktung der Batterie-Flexibilitäten und können nicht nur für Grossbatterien eingesetz werden. Denkbar ist, das gleiche Prinzip künftig auf Elektroautos an Ladestationen anzuwenden, die so mithelfen können, die Stromnetzstabilität zu gewährleisten – und deren Besitzer dabei im besten Fall Geld verdienen. Sobald genügend Autohersteller ihre E-Mobile mit den notwendigen Fähigkeiten für die Netzanbindung ausstatten (Vehicle to Grid/V2G), dürfte das für die Betreiber von Ladestationen interessant werden.

Mann mit Bart im Anzug lehnt sich an bulligen gelben Kleinwagen an
Der Prototyp und sein Desinger Gilles Vidal – ob der Renault R5 dereinst Strom ins Netz zurückspeisen können wird? Es ist zu hoffen. (Foto: Renault/© Olivier Martin-Gambier)

Renault plant Batteriefabrik am gleichen Standort

Erst kürzlich hat Renault angekündigt, in Douai zusammen mit Partnerunternehmen eine grosse Batteriefabrik – eine «Gigafactory» – zu errichten. Ziel ist es, dort moderne, CO2-arme Batterien zu produzieren, um damit neue Renault-Modelle wie den R5 auszustatten, der für 2024 erwartet wird. Unter dem Titel «Renault ElectriCity» ist in Nordfrankreich ein Zentrum für Elektromobilität geplant. Dazu gehört neben der Produktion von E-Autos auch ein Batterierecycling, das mehr Materialien zurückgewinnen soll als heute üblich, ganz im Sinne der anvisierten Kreislaufwirtschaft.

Der französische Autohersteller Renault hat sich vorgenommen, bis 2030 einen Elektroanteil von 90 Prozent am Gesamtabsatz zu erreichen. In Europa will Renault bis 2040 CO2-neutral werden, weltweit bis im Jahr 2050.

Zur Megabatterie in Douai sagt Yasmine Assef, Program Director, Energy Services bei der Renault-Tochter Mobilize: «Die intelligente Steuerung von Batteriespeichern ist ein wichtiger Schritt für die Integration von Elektrofahrzeugen in das Stromnetz. Durch derartige Projekte erschliessen wir unglaubliche Zukunftspotenziale, die nicht nur die Energiewende vorantreiben, sondern auch noch zur Stromnetzstabilität beitragen und mit Fahrzeugbatterien Erlöse erzielen.»

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  • Max Holliger

    Vor 4 Monaten

    Ich finde diesen Artikel sehr gut. Es wäre schön, wenn solche Themen , vielleicht etwas kompakter, auch in der Tagespresse veröffentlicht werden könnten.
    Persönlich werde ich immer wieder von «nachplöapperer» darauf angesprochen, wie resourcen intesive die elektromobilität ist. DIese Beispiel zeigt gleich für drei Themen eine brauchbare Lösung, Elektromobilität und Speicher für erneuerbare Energie und langlebikeit der Batterien.

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