600 Gigawattstunden Solarstrom von der Alp

In den Walliser Alpen soll eine der grössten Solaranlagen der Schweiz entstehen. Grengiols-Solar könnte jährlich 600 Gigawattstunden Strom liefern – 42 Prozent davon im Winter. Der in der Nähe geplante Stausee ermöglicht Synergien.

6 Min.

Um die Klimaziele der Schweiz zu erreichen, muss in den nächsten Jahren sehr viel Solarenergie neu installiert werden. Das Projekt Grengiols-Solar würde dazu einen wesentlichen Beitrag leisten, besonders in Kombination mit dem Stausee Chummensee – einem der zwölf am runden Tisch der Wasserkraft bevorzugten Vorhaben. Die voneinander unabhängigen Projekte Grengiols-Solar und Chummensee ergänzen sich hervorragend und könnten die Importabhängigkeit der Schweiz im Winter reduzieren.

Mit der Projektierung von Grengiols-Solar engagieren sich die Gemeinde Grengiols sowie fünf regionale und schweizerische Energieunternehmen für die erneuerbare Winter­stromproduktion.

Das Potenzial der Solaranlage: Strom aus den Bergen für 200’000 Haushalte.

Das Potenzial der Anlage liegt bei jährlich 600 Gigawattstunden Strom, davon rund 42 Prozent im Winter. In Kombination mit Wasserkraft steigt das Potenzial auf 1200 Gigawattstunden – rund die Hälfte im Winter. 600 GWh entsprechen dem Strombedarf von rund 200’000 Haushalten, mit 1200 GWh lässt sich die Hälfte aller Haushalte im Kanton Zürich versorgen.

Das Potenzial der Anlage mit 910’000 Solarmodulen liegt bei 600 Gigawattstunden Strom im Jahr, davon 42 Prozent im Winter. (Illustration: Grengiols‑Solar)

Grengiols: Hoher Anteil Winterstrom

Im Jahr 2022 wurden erste Ideen bekannt, am Südhang des Walliser Saflischtals eine grosse Solaranlage zu bauen. Die Anfang 2023 abgeschlossene Machbarkeitsstudie ergab, dass sich 3,4 Quadratkilometer nutzen lassen, ohne dass Schutzmassnahmen gegen Naturgefahren notwendig würden. Auf 2000 bis 2500 Meter über Meer würden im Endausbau 910’000 Module mit einer Peak-Leistung von rund 440 Megawatt Solarstrom produzieren – das ist annähernd so viel, wie im Jahr 2020 insgesamt in der Schweiz an PV‑Leistung installiert wurde.

Vorteile einer alpinen Solaranlage

Die in Grengiols geplante Anlage liegt in einem Gebiet mit jährlich rund 1500 Sonnenstunden. Im Unterland scheint die Sonne pro Jahr nur 800 bis 1000 Stunden. Auch im Winter bei tiefem Sonnenstand ist der Perimeter praktisch nicht beschattet.

Der Ertrag einer alpinen Solaranlage im Winter ist etwa drei- bis viermal höher als derjenige einer Anlage im Unterland.

Selbst am kürzesten Tag des Jahres, am 21. Dezember, sind rund sieben Stunden Sonnenschein möglich. Der Ertrag einer alpinen Solaranlage im Winter ist etwa drei- bis viermal so hoch wie der einer Anlage im Unterland.

Alpinsolar und Wasserkraft als Dream-Team

Im Zusammenspiel mit dem neu geplanten Speicherkraftwerk Chummensee könnte Grengiols-Solar wertvolle Synergien entwickeln. Die Gommerkraftwerke (GKW) planen diesen Stausee unabhängig vom benachbarten alpinen Solarprojekt. Die Umwelt- und Machbarkeitsstudien starten demnächst.

Das geplante Pumpspeicherkraftwerk Chummensee liegt nur vier Kilometer Luftlinie von der Alpin-Solaranlage Grengiols entfernt. (Illustration: Grengiols‑Solar)

Chummensee: Vom Laufwasser- zum Speicherkraftwerk

Heute nutzen die GKW das Wasser aus den benachbarten Tälern des Saflischtals über mehrere Laufwasserkraftwerke. Weil im Winter weniger Wasser richtung Rhone fliesst als im Sommer, liegt der Winterstromanteil nur bei 28 Prozent oder rund 150 von 550 GWh. Dank dem geplanten Ausbau mit Staumauer und mehreren Pumpstufen soll die Produktion auf 600 GWh wachsen, davon 52 % im Winter (310 GWh) – die Winterproduktion liesse sich also mehr als verdoppeln.

Das neue Vorhaben umfasst neben dem Chummensee mit 48,5 Millionen Kubikmetern Wasser zusätzliche Kraftwerkszentralen, über die das Wasser neu über eine Höhendifferenz von rund 1000 Metern in den Chummensee hochgepumpt werden soll.

Der Chummensee könnte als Batterie für die riesige Solaranlage dienen, in welcher überschüssiger Sonnenstrom zu wertvollem Winterstrom wird. Die Kombination von Grengiols-Solar mit dem Chummensee und der Kaskade von Kraftwerken bis ins Rhonetal bietet ein Stromproduktionspotenzial von 1200 GWh im Jahr mit einem Winterstromanteil von rund 560 GWh.

Eingriff in die Natur

Anlagen zur Erzeugung erneuerbare Energie sind sichtbar und brauchen Platz. Sowohl ein Stausee wie auch eine Solaranlage bedeuten einen starken Eingriff in die alpine Natur und ins Landschaftsbild. Die Güterabwägung ist anspruchsvoll: Klimaschutz hat eine hohe Priorität, aber auch zur Biodiversität müssen wir Sorge tragen. Die Projektpartner setzen auf ein Umweltmonitoring und eine Umweltbegleitung, die Umweltverträglichkeitsprüfung wird alle möglichen Aspekte im Detail betrachten. Das ist wichtig, weil es noch keine Erfahrungen aus hochalpinen Grossanlagen gibt.

Im Unterland hat sich gezeigt, dass Tiere und Vögel Freiflächenanlagen als Rückzugsgebiete nutzen, zwischen den Panels gedeihen dort auch vielfältige Pflanzen. Womöglich ist etwas mehr Schatten in immer häufigeren und längeren Trockenheits- und Hitzeperioden langfristig sogar von Vorteil?

Fortbestand der Alpwirtschaft und Rückbaupflicht

Es ist im ureigenen Interesse der Initianten, das Projekt mit minimalem Materialeinsatz so effizient und umweltschonend wie möglich umzusetzen, nicht zuletzt wegen der Verpflichtung zum Rückbau am Ende der Betriebszeit. Von der Erschliessung mit Transportseilbahnen bis zur Befestigung der Solarpanels sollen möglichst sparsame und schonende Technologien eingesetzt und neu entwickelt werden. Die Anlage wird so konzipiert, dass unter und zwischen den Modulen weiterhin Kühe grasen können.

Bestehende Technik ist für den hochalpinen Raum nicht unbedingt geeignet, darum werden die Erfahrungen aus Pionieranlagen für weitere Projekte wichtig sein. Denn obwohl 600 GWh nach einer grossen Zahl klingen – um nur schon die Jahresproduktion des bereits stillgelegten Kernkraftwerks Mühleberg zu erreichen (3100 GWh), müssten noch vier weitere alpine Solaranlagen dieser Grösse folgen.

Netzanbindung in Etappen

Die Realisierung grosser Solaranlagen in den Alpen wird sich auf mehrere Jahre verteilen, da nur in den Sommermonaten gebaut werden kann. Um von grosszügigen Bundessubventionen profitieren zu können, müssen die Betreiber voraussichtlich bis Ende 2025 eine erste Etappe ans Netz anschliessen. Für Grengiols-Solar ist vorgesehen, den Strom anfänglich über eine temporäre Freileitung nach Heiligkreuz zu führen und dort in die bestehende 65-Kilovolt-Leitung ins Rhonetal einzuspeisen. Später soll die Leitung nach Heiligkreuz in einen Kabelstollen verlegt werden. Für den weiteren Ausbau würden dann oberirdische und unterirdische Varianten für die Anbindung ans Swissgrid-Netz geprüft.

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  • Robert Buehler

    Vor 11 Monaten

    Zuerst Gas geben im Zubau vor Ort – produziert, gleich verbraucht oder für den Winter gespeichert. Alpine Projekte fernab vom Verbraucher nur dann bauen, wenn der Bedarf lokal nicht gedeckt werden kann.

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  • Capaul

    Vor 11 Monaten

    Grosse Distanzen zu den Verbrauchern heisst grosse Kosten für Kupferleitungen und viel Energie zu deren Herstellung! Die Solaranlagen gehören dorthin, wo der Verbrauch stattfindet, nämlich auf Dächer, an Fassaden, über bestehende Infrastrukturanlagen wie Parkplätze, entlang von Lärmschutzwänden oder über Klärbecken von ARAs. Sicher keine Freiflächenanlagen in alpinen Gebieten, welche einzig die Landschaft zerstören. Aussagen wie «unproblematisch für Flora und Fauna» sind Unsinn. Meine PV-Anlage auf dem Dach wird im Sommer über 70°C heiss. Und ich habe noch nie gesehen, dass sich darauf Vögel oder Insekten niedergelassen hätten. Solche Temperaturen schaden der alpinen Flora. Und wie steht es mit allfälligen Permafrostböden? Keine Aussage und keine langfristigen Untersuchungen dazu. Unsere Touristen schätzen die alpinen Landschaften, aber sicher nicht wegen den Solaranlagen. Deshalb: Hände weg von Freiflächenanlagen, solcher Unsinn gehört vorsorglich verboten! Dafür eine Gebot der Stunde, dass Anlagen auf Dächern endlich zu fördern sind, so dass sie auch für die privaten Investoren langfristig wirtschaftlich werden: Beitrag an die Erstellung und attraktive Einspeisevergütungen. Heute sind knapp 4% der geeigneten Dachflächen mit Solaranlagen bestückt. Schlicht eine Katastrophe.

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    • Andreas V.

      Vor 10 Monaten

      Lieber Capaul
      Wenn Deine Solaranlage auf dem Dach so heiss wird, liegt das an Deinem Dach. Begrüne Dein Dach und hebe die Solartablage etwas an, z.B. einen Meter und Du wirst sehen, dass die Begrünung bestens floriert, eine wertvolle Biosphäre entsteht und als angenehmer Nebeneffekt wird Deine PV Anlage effizienter, weil kühler und hat eine höhere Lebensdauer. Falls es kein Flachdach ist, sollte die PV mindestens gut hinterlüftet werden, um diesen Hitzestau zu vermeiden.
      N.b. Die Dächer und Fassaden reichen bei weitem nicht, um den Winterbedarf zu decken und saisonale Speicherung is derart ineffizient (Energieverschwendung), dass der Winterstrom dann mindestens ein bis zwei Franken pro kWh kosten dürfte. Die Mehrheit der Bevölkerung dürfte das wohl zu teuer finden.

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    Himmelrich

    Vor 11 Monaten

    Super

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  • Peter Schmid

    Vor 10 Monaten

    Freiflächenanlagen sind Unsinn. Solaranlagen gehören dorthin, wo der Strom verbraucht wird, nämlich auf die Gebäude und an die Fassaden. Die Auswirkungen von Freiflächenanlagen sind zu wenig erforscht. Im Artikel wird VERMUTET, dass sie Rückzugsorte sind für Vögel oder Pflanzen sein könnten. Schon letzteres ist äusserst fragwürdig, zumal nur Schattenpflanzen davon profitieren könnten. Weiter bleibt unberücksichtigt, dass Photovoltaik-Anlagen bei Sonneneinstrahlung auch warm/heiss werden und selbst bei Minusaussentemperaturen noch immer Wärme abstrahlen. Was hat dies für Folgen beim Permafrost? Dass Freiflächenanlagen grossflächig ganze Landschaften zerstören können und somit den Tourismus beeinträchtigen, dürfte wohl klar sein. Zudem benötigen die alpinen Freiflächenanlagen im Gegensatz zu gebäudebezogenen PV-Anlagen lange Erschliessungen und Kupfer ist endlich und teuer. Noch eine Frage an Andreas V.: wie soll eine hinterlüftete PV-Anlage bei einem Schrägdach zusätzlich gekühlt werden? Denn auch ich messe bei meiner Anlage im Sommer hohe Temperaturen – trotz Hinterlüftung!

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