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Sind Kaffeemaschinen immer noch Stromschleudern?

Vor Jahrzehnten galten Kaffeemaschinen zu den grössten Stromverbrauchern im Haushalt. Was hat sich in den letzten Jahren getan und wie viel Strom benötigt die Kaffeezubereitung heute? Und haben Sie gewusst, dass die Schweiz das einzige Land mit einem Energielabel für Kaffeemaschinen ist?

Ian RothwellIan Rothwell4 min

Herr und Frau Schweizer lieben ihren Kaffee: Im Schnitt trinken sie 1'100 Tassen Kaffee pro Jahr. Somit ist auch nicht ganz verwunderlich, dass in der Schweiz jährlich 650'000 Kaffeemaschinen gekauft werden. Sie gehören damit gemeinsam mit Staubsaugern und Rasierapparaten zu den meist verkauften Geräten überhaupt. Schätzungen gehen von einem Gerätebestand von mehr als 3 Millionen Kaffeemaschinen aus.

Schweizer Energielabel für Kaffeemaschinen

Die Schweiz ist also ein «Kaffeemaschinen-Land». Und sie ist das einzige Land weltweit, dass eine Energieetikette für Haushalts-Kaffeemaschinen hat. In der EU gibt es bis dato keine Energieetikette für Kaffeemaschinen.

Bis zum Label war es aber ein langer Weg. Im 2006 haben Jürg Nipkow und Eric Bush von der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz (S.A.F.E.) in London an der internationalen Konferenz für Energieeffizienz in Haushaltsgeräten (EEDAL) auf den immensen Stromverbrauch von Kaffeemaschinen aufmerksam gemacht.

Feldmessungen haben Geräte mit einem Jahresverbrauch von bis zu 300 kWh hervorgebracht. Insbesondere die grossen Wasserbehälter wurden den ganzen Tag lang warmgehalten, wenn die Maschine nicht ausgeschaltet wurde – wahre Stromschleudern also. Die besten Kaffeemaschinen der Effizienzklasse A++ sind heute bei 35 kWh pro Jahr, das Energielabel hat also gewirkt. Die Industrie hat mit der Einführung von Durchlauferhitzern den Markt weitergebracht, so müssen nur 1 dl Wasser kurz aufgeheizt werden.
 

Die Energieetikette ist aber nur die halbe Wahrheit

Zwar hat die EU keine Energieetikette für Kaffeemaschinen, aber eine vorgeschriebene automatische Abschaltfunktion – bekannt unter «auto off», welche auch für die Schweiz gilt. Diese Funktion hilft rund 60% Strom einzusparen.

Es gibt immer noch einige Kaffeemaschinen, die auf eine verzögerte Abschaltzeit von mehreren Stunden durch die Nutzer umprogrammiert werden könen. Andrea Berger von topten.ch betont dann auch: «Es bringt also nichts die effizienteste Kaffeemaschine zu kaufen, wenn dann die Abschaltzeit auf 9 Stunden gesetzt wird».

Die Online Plattform topten.ch zeigt deshalb nicht nur Kaffeemaschinen der besten Effizienzklasse, sondern alle gelisteten Maschinen müssen eine automatische Abschaltfunktion besitzen, die nicht manuell deaktiviert werden kann. Zudem wurden Maximalwerte für die programmierbare «auto off»-Funktion definiert. Die effizientesten Kaffeemaschinen der Schweiz finden sich unter topten.ch/kaffeemaschinen.
 

Kapsel-Maschine oder Vollautomat?

Welche Maschinen brauchen nun aber am wenigsten Strom? Seit letztem Jahr gibt es eigentlich keine Unterschiede mehr, da nun auch A++ Vollautomaten auf den Markt sind. Konsumentinnen und Konsumenten müssen sich beim Kaffeemaschinen-Kauf fragen, wie viele Kaffees werden zuhause getrunken?

Falls der grösste Teil des Kaffeekonsums ausser Haus stattfindet, dann kann eine Kapsel-Maschine Sinn machen. Wer aber viel Kaffee zuhause trinkt, fährt mittelfristig mit einem Vollautomaten günstiger. Die beliebten Kapsel-Maschinen sind zwar günstig in der Anschaffung (teilweise sogar ab 10.-), reissen aber dann schnell ein Loch ins Portemonnaie. Umgerechnet auf 1kg kosten Kaffee-Kapseln zwischen 30.- und 110.- das Kilo. Im Vergleich: 1kg Kaffeebohnen kosten rund 10.-, ein guter Bio-Kaffee kostet rund 20.-/kg.
 

Wichtiger als die Frage nach Kapsel-Maschine oder Vollautomat ist aber die Frage nach der Produktionsweise des Kaffees. So kommt eine EMPA-Studie zum Ergebnis, dass die Kaffeekultivierung im schlechtesten Fall rund 70 Prozent der Umweltbelastung einer Tasse Kaffee ausmachen kann.

Alternative Zubereitungsarten besser?

Wie sieht’s aber mit anderen Zubereitungsarten aus, wie mit dem Wasserkocher oder der traditionellen Mokkakanne? Eine Studie von S.A.F.E. zeigt, dass bei der Wasserkochermethode (z. B. mit French Press anschliessend) oder dem Filterkaffee der Stromverbrauch noch etwas tiefer als bei der Zubereitung mit einer Topten-Maschine ist.

Die Unterschiede der effizientesten Zubereitungsarten sind aber energetisch nicht mehr relevant. Bei der Wasserkocher-Methode oder dem Filterkaffee ist wichtig zu beachten, dass diese zwar energetisch die effizientesten Zubereitungsarten sind, aber vermutlich jeweils zu viel Kaffeepulver genutzt wird und so die Gesamtumweltbelastung markant höher ausfallen kann.

Vollautomatische Kaffeemaschinen mit Topten-Label können heute also mit anderen Zubereitungsarten mithalten. Noch ein letzter Tipp: Wer den Kaffee schwarz trinkt, also ohne Milch oder Rahm, kann die Umweltbilanz gleich nochmals reduzieren.

 

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