Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Diese Frage stellt sich oft beim Blick auf die Stromrechnung. Im Wesentlichen besteht der Strompreis aus folgenden Komponenten: den Tarifen für Netznutzung, Messwesen, Energie, Stromreserve und solidarisierte Kosten sowie Abgaben ans Gemeinwesen und an den Bund zwecks Förderung der erneuerbaren Energien.

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In der Schweiz ist der Strompreis in erster Linie davon abhängig, ob die benötigte Energie frei am Markt bei einem Energielieferanten nach Wahl beschafft werden kann oder nicht. Grosskunden, die im Jahr 100 MWh Strom oder mehr verbrauchen, können am Markt einkaufen. Für Haushalts- und Gewerbekunden – sogenannte feste Endverbraucher – sowie für marktberechtigte Grosskunden, die auf ihren Marktzugang verzichten, beschafft der lokale Netzbetreiber die benötigte Menge an Strom. Die dafür in Rechnung gestellten Stromtarife sind reguliert und werden Elektrizitätstarife genannt.

Die Strompreise in der Schweiz

Für die Gestaltung dieser Elektrizitätstarife gelten gesetzliche Vorgaben, die im Stromversorgungsgesetz (StromVG) und in der dazugehörigen Verordnung (StromVV) definiert sind und deren Einhaltung von der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) überwacht wird. Die Tarife setzen sich aus den Netznutzungstarifen, den Messtarifen, den Energietarifen, den Tarifen für die Stromreserve und die solidarisierten Kosten sowie den Abgaben und Leistungen ans Gemeinwesen und der Bundesabgabe zur Förderung der erneuerbaren Energien, dem Netzzuschlag, zusammen.

Kostenverhältnisse

Am gesamten Strompreis, den ein typischer Haushalt in der Schweiz bezahlt, machen die Kosten durchschnittlich etwa folgende Anteile aus:

Komponente Anteil
Netznutzung 38 %
Messwesen 6 %
Energiebezug 43 %
Bundesabgabe 8 %
Abgaben und Leistungen an die Gemeinwesen 3 %
Stromreserve und solidarisierte Kosten 2 %
Stand 2025/2026 (Medianwerte, gerundet)

Ist der Strompreis in der ganzen Schweiz gleich?

Nein, dem ist nicht so. Die Preise zwischen den Netzbetreibern innerhalb der Schweiz variieren zum Teil erheblich. Dies zeigt ein Blick auf den Strompreisvergleich der ElCom deutlich.

Auf der Schweizerkarte ist der Kanton Zürich zum Grossteil hellgrün eingefärbt, weil EKZ und ewz zu den günstigeren Stromversorgern gehören
Für einen typischen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4500 kWh variiert der Elektrizitätstarif für das Jahr 2026 zwischen 9,64 Rp./kWh und 43,61 Rp./kWh. (Grafik: ElCom – H4 Verbrauchsprofil, Standardprodukt)

Warum unterscheiden sich Schweizer Strompreise so stark?

Die Ursachen für die zum Teil grossen Preisdifferenzen sind beispielsweise topografische Gegebenheiten des Versorgungsgebiets und Unterschiede in der Kosteneffizienz des Netzbetreibers. Dies wird häufig auch in den Medien so dargelegt, greift aber oft zu kurz. Unbestritten ist, dass die Höhe der Netzkosten das Niveau der Netznutzungstarife beeinflusst.

Einflussfaktoren Netzkosten

Auf die Höhe der Netzkosten hat wiederum die Topologie des Versorgungsgebietes einen starken Einfluss. So wirkt beispielsweise die Dichte an installierten Stromzählern pro Kilometer Leitungsstrang kostensteigernd, weil mehr Anschlüsse ein leistungsfähigeres Netz erfordern. Die Dichte der an Kunden abgegebenen Energie pro Leitungskilometer wirkt dagegen kostensenkend.

Bau- und Umweltauflagen können die Kosten für den Netzbau erhöhen. Daneben können strukturpolitische Entscheidungen einen starken Einfluss haben. Durch den Verzicht auf die regulatorisch zulässige Verzinsung des im Netzbereich eingesetzten Kapitals werden die Netznutzungstarife teilweise bewusst tief oder nicht kostendeckend gehalten.

Einflussfaktoren Messkosten

Die Höhe der Messtarife kann variieren. Ursachen hierfür sind sowohl Unterschiede im Fortschritt und in der Ausgestaltung des Smart-Meter-Rollouts als auch individuelle Faktoren im Zusammenhang mit der Installation der Messeinrichtungen:

  • Die Aktivierungspolitik der Netzbetreiber im Hinblick auf Investitionen in den Smart-Meter-Rollout kann zu Abweichungen führen. Netzbetreiber, die Investitionen nicht aktivieren, sondern unmittelbar als Aufwand in den Betriebskosten erfassen, weisen entsprechend höhere laufende Messkosten aus.
  • Beim Ersatz konventioneller Messgeräte durch Smart Meter entstehen durch die Abschreibung verbleibender Restwerte zusätzliche Aufwendungen für Anlagenabgänge.
  • Der Einsatz unterschiedlicher Übertragungstechnologien zur Datenübermittlung kann zu variierenden wiederkehrenden Betriebskosten führen.

Darüber hinaus können auch individuelle, dem Kunden zum Zeitpunkt der Installation gesondert in Rechnung gestellte Kosten (z. B. für Messwandler) zu Differenzen in den Messtarifen beitragen.

Einflussfaktoren Energietarif

Die Höhe des Energietarifs ist stark von den Produktions- und Beschaffungskosten abhängig. Haupttreiber für die Differenzen bei der Energie ist der Anteil Eigenproduktion. Netzbetreiber mit einem hohen Anteil an teurer Eigenproduktion können in der Regel die Energie nicht zu demselben Preis anbieten, wie Netzbetreiber, welche die benötigte Energie überwiegend am Markt mit vorteilhaft ausgehandelten Bezugsverträgen beschaffen.

Wobei es zu beachten gilt, dass Marktpreise vor allem vom Zeitpunkt der Energiebeschaffung abhängen und diese über die Jahre betrachtet starken Schwankungen unterliegen können. Weitere Gründe für Differenzen sind der unterschiedliche ökologische Produktemix und ob die zulässige Vertriebsmarge mehr oder weniger stark ausgeschöpft wird.

Wann werden die Schweizer Strompreise bekannt gegeben?

Jeweils Ende August werden die Strompreise für das kommende Jahr publiziert.

In der Schweiz gibt es rund 630 Netz­­betreiber. Jeder Netz­­betreiber ist strom­­versorgungs­­rechtlich dazu verpflichtet, bis spätestens Ende August seine Elektrizitäts­­tarife für das kommende Jahr sowohl seinen Kunden als auch der ElCom bekanntzugeben.

Was heisst denn liberalisierter Strommarkt?

Seit 2009 können Endverbraucher mit einem jährlichen Stromverbrauch von 100 MWh und mehr ihren Energielieferanten im Strommarkt frei wählen. Das heisst, sie können verschiedene Offerten einholen und sich für den günstigsten Anbieter entscheiden.

Rund 66 Prozent der marktberechtigten Kunden haben bis Ende 2023 von diesem Recht Gebrauch gemacht, seither stagniert der Anteil der Kunden am freien Markt. Für diese Kunden überwacht die ElCom nur noch die Netznutzungstarife, die weiterhin im regulierten Monopol sind.

Wahlmodell der abgesicherten Stromversorgung

Haushalts- und Gewerbekunden steht der freie Markt heute noch nicht offen. Am 13. Juni 2025 hat der Bundesrat die Vernehmlassung über ein Stromabkommen Schweiz – EU verabschiedet. In der Vorlage ist auch der Vorschlag enthalten, den Strommarkt für alle Kunden zu öffnen.

Künftig sollen also auch Haushalte und kleine Betriebe ihren Energielieferanten frei wählen können. Diese Kunden sollen nach dem Entwurf der Vorlage weiterhin ein Anrecht auf Grundversorgung haben. Dies bedeutet, dass diese Kunden jährlich zwischen Grundversorgung des lokalen Netzbetreibers und einem Marktangebot wählen und wechseln können.

Mit der Neugestaltung des Strommarkts erwartet der Bundesrat eine Stärkung der dezentralen Stromproduktion und damit eine bessere Integration der erneuerbaren Energien in den Strommarkt.

Wie funktioniert der Stromhandel?

Der Strom wird an verschiedenen europäischen Strombörsen sowie bilateral über Broker-Plattformen gehandelt. Man unterscheidet zwei Märkte: den Terminmarkt für den langfristigen Handel und den Spotmarkt für den kurzfristigen Handel. Dies vor allem, weil die Handelsware Strom nur sehr begrenzt speicherbar ist. Die Produktion und der Verbrauch müssen immer gleichzeitig stattfinden.

Die gehandelten Strompreise unterliegen starken Preisschwankungen. Preisbestimmend für Angebot und Nachfrage sind beispielweise die Verfügbarkeiten von Kraftwerken. Aber auch die Preisentwicklungen anderer Rohstoffe, insbesondere Kohle, Erdgas oder Öl und die Preise der Emissionsrechte haben einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Strompreise. Zudem beeinflussen noch andere Faktoren die Strompreise, wie beispielsweise die Konjunktur, die Verbrauchssituation, politische Entwicklungen, die regulatorischen Bestimmungen, das Wetter, die Preise der Grenzkapazitäten sowie die Einspeisung von Wind- oder Photovoltaik-Strom.

In der Stromversorgung gilt es, zwischen «physikalisch und buchhalterisch» zu unterscheiden. Der Handel erfolgt rein auf dem Papier. Physikalisch erfolgt die Versorgung aber immer direkt vor der Tür. Die Energie wird immer aus den Kraftwerken geliefert, die nah sind.

Update-Hinweis: Die ursprüngliche Fassung dieses Artikels erschien am 10.2.2022. Nach einer kleinen Aktualisierung im Oktober 2024 wurde der Beitrag per 26.9.2025 in grösserem Umfang überarbeitet.

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  • Achermann Josef

    Vor 4 Jahren

    Ein sehr guter Beitrag von Herrn Maag. Ihm sei gedankt. Dieser Beitrag hilft dem Strombezüger, die übliche Geheimniskrämerei der Netzbetreiber ein wenig zu lüften. Fragt man zum Beispiel den Netzbetreiber EWA, wie der jeweils gültige Stromtarif zusammengesetzt sei, so lautet die Antwort: Das sei Betriebsgeheimnis und diese Antwort wird weitgehend von der ElCom gestützt. Zusätzlich wird auf die Jahresrechnung vom EWA verwiesen. Das ist aber eine sehr komplizierte Buchhaltung, die bestenfalls von speziell geschulten Buchhaltern verstanden wird.
    Josef Achermann

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  • Benjamin Sawicki

    Vor 4 Jahren

    Der Beitrag könnte noch ergänzt werden für Grosskunden mit Leistungstarifen und einem Berechnungsbeispiel, wie sich Peak-Shaving dadurch lohnen kann – etwas mit Batterien.

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    • Thomas Elmiger

      Vor 4 Jahren

      Besten Dank für die Anregung, wir nehmen die Strompreise für Grosskunden gerne in unsere Themenplanung auf.

  • Schäfer

    Vor 3 Jahren

    Wiso bezahlen Zweitwohnungsbesitzer in unserer Gemeinde weniger für den Strom, als wir die ständig hier wohnen? Auch in den Wohnungen wird durch Wlan und Kühlschrank dauernd Strom bezogen?

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    • Thomas Elmiger
      Thomas Elmiger

      Thomas Elmiger

      Vor 3 Jahren

      Grüezi – da müssen Sie Ihre Gemeinde oder Ihren Stromversorger anfragen, denn wir kennen die Antwort nicht.