Architektur als Vermittler
An den Gebäudepark in der Schweiz werden hohe Ansprüche gestellt. Eine gesteigerte Energieeffizienz ist das Ziel. Die Architektur als Vermittler zwischen Gestaltung und Technik ist gefordert.
An den Gebäudepark in der Schweiz werden hohe Ansprüche gestellt. Eine gesteigerte Energieeffizienz ist das Ziel. Die Architektur als Vermittler zwischen Gestaltung und Technik ist gefordert.
Verfasst von Morris Breunig
Die Entwicklung des Gebäudeparks in der Schweiz ist ein wichtiger Bestandteil der Energiestrategie 2050. Die Architektur vermittelt dabei zwischen ästhetischen Ansprüchen und den Anforderungen der Energieeffizienz. Zur entsprechenden Umsetzung bedarf es jedoch das Verständnis für die vorhandene Bausubstanz, denn Planer und Ingenieure sehen sich mit hohen Anforderungen konfrontiert. Dabei sind auch die Bedürfnisse von Bund und Kantonen zu berücksichtigen.
Anspruchsvolle Aufgaben erwarten zukünftig den Gebäudepark in der Schweiz, womit vor allem die Architektur als Vermittler zwischen technischen Einflüssen und ästhetischen Ansprüchen gefragt sein wird. Während es dem historischen Gebäudebestand an dringend benötigter Energieeffizienz fehlt, erfordert es eine ganzheitliche Betrachtung zur Bewältigung dieser Herausforderungen. Architektur und Technik befinden sich im engen aber kontroversen Dialog, in dem die Energieeffizienz ein wichtiges Kriterium darstellt.
Die vier Säulen der Nachhaltigkeit – ökologische, ökonomische, gesellschaftliche und gestalterische Wertschöpfung – nehmen eine tragende Funktion ein bei der Behandlung dieser Thematik. Für Investoren ist die Gestaltung oftmals zweitrangig.
Oftmals stimmt das Anspruchsdenken von Architekten und Nutzenden nicht überein. Deshalb ist ein intensiverer Austausch zwischen Planenden und Bauherrschaften dringend notwendig. Nur so können die gestalterischen Prinzipien verschiedener Parteien sichergestellt werden. Gleichzeitig wird vermieden, dass das präzise vom Architekten geplante Haus von den Bewohnenden geschätzt und in seiner Funktion sowie Einrichtung erhalten bleibt. Zudem muss der Nutzende mit den technischen Eigenheiten des Gebäudes vertraut sein. Was nützt das modernste Gebäude mit einer intelligenten, technischen Ausrüstung zur Reduzierung des Energieverbrauches, wenn die Bauherrschaft mit der Bedienung überfordert ist?
Bauen ist eine integrative Handlung in einem der Gesellschaft zugehörigen Raum und erfordert eine ganzheitliche Betrachtung, wie es beispielsweise im Stöckacker Süd in Bern oder dem Franklinturm in Zürich umgesetzt wird. Die nachhaltige Zukunft kann und muss deshalb von allen Beteiligten mitgestaltet werden. Aufgabe der Baubranche mit Architektur und Ingenieurbaukunst muss es sein, dafür einen kulturellen und generationsübergreifenden Beitrag zu leisten.
Kürzlich wurde das erste energieautarke Mehrfamilienhaus der Welt fertiggestellt. Eine Besonderheit an dem Haus in Brütten sind die energieerzeugenden Fassadenelemente, die in ihrer Funktion nicht erkenntlich sind. Die Fassadenmodule aus Dünnschicht-Solarzellen mit einer Gesamtleistung von 47 kW verfügen zudem über eine matte, anthrazitfarbene Oberfläche. Das verhindert Spiegelungen und integriert das Gebäude optimal in sein Umfeld.
Neben der Photovoltaik an Fassade und Dach verfügt das Objekt unter anderem über Solarstromspeicher, thermische Speicher und Erdsonden. Mithilfe von Kurz- und Langzeitspeichern wird die überschüssige Energie gespeichert.
Wir begleiten dieses Projekt bereits seit einiger Zeit, nachzulesen hier: Ein Haus ohne Stromanschluss.
Im Auftrag der Stadt Bern entsteht in Bern Bümpliz das Quartier Stöckacker Süd mit 146 neuen Wohnungen. Diese erfüllen die Anforderungen von Minergie-P-Eco und der 2000-Watt-Gesellschaft. Die Fertigstellung der Wohnüberbauung erfolgt etappenweise. Bereits im Herbst 2016 sind die ersten Einheiten bezugsbereit. Die übrigen Wohnungen sind voraussichtlich ab Anfang 2017 sowie ab Mitte 2017 bezugsbereit. Weitere Informationen sind zu finden unter: www.stoeckackersued.ch
Kommentare: Was denken Sie?
Tomate
Vor 7 Jahren
Ich warte noch auf zukunftorientierte Wohnkonzepte. Es waere intressant ueber mobile Heime zu sprechen in Kombination mit Sharing. Man hat einen Schlafcontainer den Rest nutzt man in sharing Prinzip. Man wohnt da wo man arbeitet. Das wird den Verkehr enorm entlasten. Ich denke die Nachfrage waere vorhanden, man arbeitet eine gewisse Zeit und nutzt einen tieferen Standart und kann somit etas ansparen auch wen man im unteren Lohnniveau ist.
Morris Breunig
Vor 7 Jahren
Hallo Tomate
Vielen Dank für die interessanten Ansätze. Ich bin überzeugt, dass es von der Planendenseite auch in der Schweiz innovative Anstösse dazu gibt. Beispielsweise nahm die Hochschule Luzern 2014 mit einem auf dem Sharing-Prinzip basierenden Projekt am Solar Decathlon teil. Auch Genossenschaften wie Kalkbreite in Zürich setzen auf jene Aspekte. Die Bedürfnisse und etwaige Ansätze sind durchaus vorhanden. Ob sich jedoch eine flächendeckende Verbreitung in der Schweiz durchsetzt, halte ich tatsächlich für zweifelhaft. Der Wunsch nach dem eigenen Heim überwiegt in der Bevölkerung. Dazu bräuchte es ein grundsätzliches Umdenken mit enormer Bereitschaft. Hinsichtlich flexibler Arbeitsplätze verweise ich gerne auf den Beitrag vom Juli 2017: https://www.energie-experten.ch/de/business/business/flexible-arbeitsmoeglichkeiten.html