Durch die Gebäudehülle verpuffte Energie

Gebäude gehören in der Schweiz zu den grössten Energiefressern. Vor allem bei Altbauten sind Fassade, Fenster und Dach oft ungenügend isoliert und es geht viel Wärme verloren. Eine Sanierung der Gebäudehülle lohnt sich dann besonders, wenn sie gut geplant und fachlich durchdacht ist.

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Private Haushalte verbrauchen für das Heizen des Wohnraums mit Abstand am meisten Energie – mehr als zwei Drittel sind es im Schweizer Durchschnitt. Im Jahr 2019 entfielen 66,1 Prozent des Energieverbrauchs von Privaten auf die Raumwärme (148,6 PJ), witterungsbereinigt entspricht das sogar fast 70 Prozent. Warmwasser machte zusätzliche 14 Prozent aus (32,1 PJ), die ebenfalls dem Thema Wärme zuzuordnen sind. Alle anderen Verwendungszwecke lagen unter 5 Prozent.

Schweiz: Ein Drittel der Energie wird verheizt

Rund 32 Prozent der in der Schweiz verbrauchten Energie fliessen 2021 in den Bereich Raumwärme, also Heizen. Knapp 238 Petajoule (PJ) sind das gemäss Energieperspektiven 2050+ aktuell, bis 2050 soll sich dieser Wert um mindestens 25 Prozent vermindern (Szenario «weiter wie bisher») oder gar bis zu 32 Prozent gesenkt werden («Zero Basis» und «Zero C»). Dies ist nur mit vermehrten Sanierungen möglich, denn die Bevölkerung wird weiter wachsen.

Die Sanierungsrate müsste mindestens verdoppelt werden

Es gibt 1,7 Millionen Wohngebäude in der Schweiz, davon wurden fast 80 Prozent vor 1990 gebaut, man schätzt, dass eine Million Häuser ungenügend isoliert sind. Eine Sanierungspflicht für diese Liegenschaften gibt es nicht, erfahrungsgemäss liegt die Rate für energetische Sanierungen nur bei 1 Prozent. Mit diversen Förderprogrammen schaffen Bund und Kantone darum zusätzliche Anreize für Eigentümer von Immobilien.

Grosses Sparpotenzial in der Gebäudehülle

Wer wirkungsvoll Energie sparen will, kann also meist bei der Raumwärme ansetzen. Bei Neubauten sorgen mittlerweile Normen und Bauvorschriften dafür, dass sowohl die Gebäudehülle als auch die Heizung hohe Ansprüche bezüglich Effizienz erfüllen. Bei Altbauten allerdings sind die Wärmeverluste durch schlecht isolierte Fassaden, Dächer und Fenster enorm. Gemäss dem Verband Gebäudehülle Schweiz kann eine umfassende Modernisierung bei Altbauten den Energieverbrauch um bis zu zwei Drittel reduzieren.

Wärmeverluste in einem typischen Einfamilienhaus, das bisher nicht erneuert wurde: Von der gesamten Energie, die dem Haus für Heizung, Warmwasser und Elektrizität zugeführt wurde, entweichen 83 Prozent durch die Gebäudehülle. (Illustration: EnergieSchweiz)

Fünf gute Gründe für eine Sanierung

  1. Wertsteigerung: Der Wert der Liegenschaft steigt durch die verbesserte Effizienz und den erhöhten Komfort. Der Werterhalt ist langfristig gesichert, das Risiko für Schäden durch Kälte und Feuchtigkeit sinkt.
  2. Wohnkomfort: Angenehme Raumtemperatur – keine kalten Oberflächen und Ecken mehr –, weniger Zugluft und weniger Lärm von draussen. Dazu ein verbesserter Schutz vor Überhitzung im Sommer. All dies sorgt für mehr Behaglichkeit und ein besseres Raumklima.
  3. Heizkosten sparen: Die Modernisierung der Gebäudehülle spart langfristig Geld. Änderungen der Energiepreise und kältere Winter wirken sich bei geringerem Heizenergiebedarf nicht mehr gross auf das Budget aus.
  4. Ökologie: Die gesparte Energie hilft, Klima und Umwelt zu schützen. Finanzierungspartner wie Banken und Pensionskassen achten je länger je mehr auf die Umweltfreundlichkeit ihrer Finanzanlagen.
  5. Förderbeiträge: Die Allgemeinheit hat ein Interesse am sinnvollen Einsatz von Energie, darum gibt es Subventionen.

Förderzusagen müssen vor Baubeginn vorliegen, damit Subventionen ausbezahlt werden können.

Wichtig für den Bezug von Fördergeldern: Die Anträge müssen rechtzeitig vor der Ausführung eingereicht werden.

Start mit unabhängiger Analyse und Beratung

Doch wie findet man heraus, wie es um die Energieeffizienz des eigenen Hauses steht? Und wie gewinnt man einen Überblick, welche Massnahmen sinnvoll sind? Der Verband Gebäudehülle empfiehlt eine umfassende Gebäudeanalyse und den Beizug von Baufachleuten.
Mit dem Gebäudeenergieausweis der Kantone – kurz GEAK – lässt sich dies nach einem bewährten Verfahren erreichen. Für den detaillierten GEAK Plus prüfen zertifizierte und unabhängige Experten das Gebäude genau. Dann erarbeiten sie bis zu drei Vorschläge, wie die Bauherrschaft vorgehen kann. Der GEAK Plus zeigt die Kostengrössen auf und welche Fördergelder Bauherren erwarten können.

Was kostet ein GEAK Plus?

Ein GEAK Plus für ein Einfamilienhaus oder kleines Mehrfamilienhaus kostet zirka 1900 bis 2200 Franken. Diverse Kantone übernehmen einen Teil der Kosten, so fördert der Kanton Zürich diese Massnahme derzeit mit einem Beitrag von 800 Franken. Zudem berechtigen die Ausgaben für energietechnische Analysen und Energiekonzepte zu einem Steuerabzug.

Das Einfamilienhaus der Familie Hiltpold in Thun wurde 1946 erstellt und 1986 mit einem Anbau erweitert. 2015 bis 2019 erfolgte eine umfassende energetische Sanierung. Der Gesamtenergiebedarf nahm von 46’130 auf 9’120 kWh pro Jahr ab. Die südwestseitige Dachhälfte wurde mit einer vollflächigen Photovoltaikanlage eingedeckt. (Foto: Schweizer Solarpreis 2020)

Gesamtsanierung oder mehrere Etappen

Eine umfassende Dämmung der Gebäudehülle ist mit grossen Investitionen verbunden. Aus finanziellen Gründen kann eine Sanierung manchmal nur in mehreren Schritten umgesetzt werden, so dass die Ausgaben über mehrere Jahre verteilt anfallen. Manchmal lohnt sich das auch steuerlich. Zudem bleibt die Liegenschaft während der Bauarbeiten bewohnbar, was bei einer Gesamtsanierung oft nicht möglich ist. Insgesamt fallen die Baukosten bei einer Etappierung allerdings höher aus. Auf jeden Fall muss bei der Umsetzung in Etappen vorab ein Gesamtkonzept erarbeitet werden, so dass die Massnahmen und die Reihenfolge aufeinander abgestimmt sind.

Klare Prioritäten helfen, Stolpersteine zu umgehen

Fachleute empfehlen, zuerst die Gebäudehülle zu sanieren, bevor die Heizung ersetzt wird. So vermeidet man die Investition in eine überdimensionierte Heizung, die weniger effizient im Betrieb und teurer in der Anschaffung ist. Beim Austausch der Fenster ist zu berücksichtigen, dass später einmal die Aussenwand zusätzlich gedämmt wird. Die Breite des Blendrahmens darf eine spätere Dämmung der Fensterlaibung nicht verhindern.

Der Verband Gebäudehülle Schweiz empfiehlt diese Reihenfolge:

  1. Wärmedämmung der Fassade, Ersatz der Fenster und Sonnenschutz, Wärmedämmung des Dachs oder des Estrichbodens und der Kellerdecke
  2. Heizungsersatz, neuer Wassererwärmer, Installation von Sonnenkollektoren
  3. Photovoltaikanlage für die Stromproduktion, Smart-Home-Technologien für das Optimieren der Energieströme
  4. Innenausbau: Küche, Bad, elektrische Installationen, eventuell Einbau einer Komfortlüftung

Weiter sollte man prüfen, ob Sonnenenergie aktiv genutzt werden kann. Es lohnt sich, die Solarthermie- oder Photovoltaikanlage gleich mit der Dach- und Fassadenerneuerung durchzuführen – oder sie zumindest als nächste Etappe vorzubereiten. Mit Solarenergie lässt sich der Energiebezug auf etwa einen Viertel des früheren Bedarfs verringern. Gebäudehülle Schweiz bietet unter dem Titel «Königsweg e+» (PDF) einen Leitfaden an.

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  • Holger Hendrichs

    Vor 5 Jahren

    Bei der etappierten Sanierung ist anzumerken, dass im Zweifelfall (was sehr oft ist) die U-Werte der einzelnen Teile der Gebäudehülle nachgemessen werden sollten anstelle nur geschätzt werden. Das Zürcher ETH Spin-Off greenTEG bietet solche Geräte an, die sowohl bei der Stadt Zürich u. Ihren Energieberatern als auch darüber hinaus in der Schweiz bereits im Einsatz sind.

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  • Tomate

    Vor 4 Jahren

    Die Daemstoffe muessen umweltvertraerglich sein. Senkt die Gesundheitskosten, verursacht weniger Sondermuell und waermt im Winter und kuehlt im Sommer. Die Devise heuzutage ist leider billige sondermuell Daemstoffe zum doppelten Preis von ein drittel so teuren EU Facharbeiter fuer die vierfachen Foerderpraemien zu der haelfte der Steuern.

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  • Bruno Vogt

    Vor 1 Jahr

    Als Experten sollten Sie wissen, dass ‹isolieren› der falsche Ausdruck ist. ‹Dämmen› wäre richtig. 🙂

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