Bauen & Wohnen

So gelingt beim Heizungsersatz der Umstieg auf Erneuerbare

Wenn der Ersatz des alten Heizkessels ansteht, lohnt es sich, eine langfristige Perspektive einzunehmen. Wer bei der Wahl der neuen Heizungsanlage neben dem reinen Anschaffungspreis auch die Lebenszykluskosten beachtet, hat meist eine bessere Entscheidungsgrundlage. Erneuerbare Heizsysteme wie Wärmepumpen schneiden vielfach aus ökologischer und finanzieller Sicht besser als fossile Heizungen ab.

Leonid LeivaLeonid Leiva4 min

Die Schweiz hinkt ihren selbstgesteckten klimapolitischen Zielen hinterher. Gemäss dem Pariser Klimaabkommen müsste der CO2-Ausstoss bis 2030 gegenüber dem Wert von 1990 halbiert werden. Doch bisher sinken die Emissionen nicht stark genug. Einen grossen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele könnte und sollte der Gebäudebereich leisten, der rund 27 % der Treibhausgase freisetzt. Dieser hat seit 1990 trotz Zunahme der Einwohnerzahl und der Energiebezugsfläche seine CO2-Emissionen entlang des vorgesehenen Zielpfades um rund 23 % (Stand 2016) gesenkt. Das ist ein Erfolg, den es in die Zukunft fortzusetzen gilt. Fortan wird es primär bei Sanierungen verstärkte Bestrebungen brauchen, um den Umstieg von fossiler auf erneuerbare Wärmeversorgung weiter voranzutreiben. 

Ein Blick auf die jüngsten Statistiken zeigt nämlich immer noch jährliche Schwankungen des Treibhausgasausstosses auf, wenn der Winter kälter wird und der Heizbedarf entsprechend zunimmt. So stiegen die CO2-Emissionen von Gebäuden im Jahr 2016 auf Grund des kalten Winters um 3,6 % gegenüber dem Vorjahr an. Dies ist ein Indiz dafür, dass die Bereitstellung von Heizwärme in Wohnhäusern nach wie vor zu einem grossen Teil von fossilen Brennstoffen abhängt. 

Im Ersatz von fossilen Heizungen durch umweltfreundlichere Alternativen wie Wärmepumpen, Solarkollektoren oder Pelletheizungen liegt ein grosses Potenzial  zur weiteren Reduktion der CO2-Emissionen aus dem Schweizer Gebäudepark.

Gemäss dem Fachverband der Gebäudetechnikbranche Suissetec waren im Jahr 2016 1,1 Millionen fossile Heizkessel in Schweizer Wohnhäusern im Betrieb. Etwa 60 % davon basieren auf fossilen Energieträgern (Heizöl und Gas). Heizsysteme auf der Basis erneuerbarer Energie finden aber immer grössere Verbreitung.

Wärmepumpen zum Beispiel machen heute knapp einen Fünftel aller Heizungen aus. Bei Neubauten werden in 93 % der Fälle nicht-fossile Heizungen gewählt.

Bei anstehendem Ersatz der bestehenden Heizungsanlage hingegen entscheidet sich immer noch rund die Hälfte der Bauherrschaften von Einfamilienhäusern für fossile Energieträger (vergl. Studie zu Heizungsträgern von Wüest und Partner). Die Wahrscheinlichkeit, auf eine umweltfreundlichere Heizung umzusteigen, ist jedoch grösser, wenn eine energetische Sanierung der Gebäudehülle neben dem reinen Heizungsersatz vorgenommen wird. Das heisst: Je grösser die Eindringtiefe bei einer Erneuerung, desto eher kommt es zur Umrüstung von fossil auf nicht-fossil. Es ist also sinnvoll, vor dem Ersatz des alten Heizkessels die Möglichkeit einer vorgängigen energetischen Sanierung zu prüfen. Denn werden die Wärmeverluste durch die Fassade, das Dach und die Fenster verringert, sinkt auch der Heizwärmebedarf und die neue Heizung kann kleiner dimensioniert bzw. auf erneuerbare Energien umgerüstet werden.

Die Technik ist reif für den Umstieg

Wie die Wärmeversorgung in Gebäuden auf eine ökologischere Basis gestellt werden kann, ist eine Frage, die alle Beteiligten betrifft. Neben innovativen Produkten ist eine bessere Kommunikation der schon heute möglichen Handlungsoptionen von vitaler Bedeutung. Eine Betrachtung, die über die Anschaffungskosten hinaus auf die Lebenszykluskosten fokussiert, schafft mehr Klarheit über die tatsächlichen finanziellen Verhältnisse. Auch bei den derzeitigen Öl- und Gaspreisen sind alternative Heizsysteme schon heute in vielen Fällen konkurrenzfähig. In Bezug auf Energiekosten sowie Wartungsaufwand schneiden Wärmepumpen in der Regel besser als fossile Heizungen ab. Andere allfällige Kosten wie jene für die Verlegung von Erdwärmesonden bei Erdwärme-Wärmepumpen sind wiederum stark von den Bedingungen am Standort des Gebäudes abhängig. Unter ökologischen Gesichtspunkten sind Wärmepumpen, die Umwelt- oder Erdwärme unter dem Einsatz von Elektrizität verwerten, ohnehin den fossilen Heizungen überlegen. 

Die meisten Lieferanten von Heizsystemen in der Schweiz sind bereits mit Produkten am Markt, die auch möglichen künftigen Vorschriften genügen würden. Wie diese aussehen könnten, zeigen die Mustervorschriften der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (MuKEn). Diese werden aber in den einzelnen Kantonen sehr unterschiedlich umgesetzt, wie sich dem Stand der Energiepolitik in den Kantonen 2017 entnehmen lässt. Nichts zu befürchten haben Hauseigentümer, deren Haus über einen Minergie-Standard verfügt oder beim GEAK über der Energieeffizienzklasse D liegt: Sie sind von allfälligen weiteren Auflagen befreit. 

Finanzielle Anreize für einen stärkeren Einsatz von erneuerbaren Energien in Liegenschaften bietet das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen. Auch an Beratungsdienstleistungen, die den Umstieg auf eine ökologische Heizung erleichtern, fehlt es nicht. 

Im Rahmen des Programms «starte! energetisch modernisieren» bieten die Baudirektion des Kantons Zürich, die EKZ und die Zürcher Kantonalbank Veranstaltungen und individuelle Beratungen für Gemeinden und für Hauseigentümer. Neben der Finanzierungsberatung, der energetischen Standortbestimmung mit dem Gebäudeenergieausweis GEAK und einer Entscheidungsgrundlage für die Nutzung von Solarenergie gehört auch das Themenkomplex Heizungsersatz zu dem vom Programm bereitgestellten Beratungsangebot.

Dass eine Wende in der Wärmeversorgung möglich ist, zeigt die Entwicklung im Neubaubereich. Im Kanton Zürich zum Beispiel wurde vor gut 20 Jahren (im Oktober 1997) die Vorgabe an den Höchstanteil an nichterneuerbaren Energien in Neubauten eingeführt. Heute wird in einem Neubau kaum noch eine fossile Heizung installiert. Eine ähnliche Umstellung wäre nun auch beim Heizungsersatz in Bestandsbauten angesagt. Die Technik dazu ist bereits vorhanden.

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Kommentare

  • Nick Schenker

    02.10.2018 15:17:44

    Ich störe mich ein wenig daran, dass Holzfeuerungen so «grün» dargestellt werden. Wäre dieses «Waldnutzungsgesetz» nicht, sähe alles anders aus. Davon abgesehen werden Stäube, Partikelfilter u.ä. mit keinem Wort erwähnt und obwohl auch dieses Heizungsystem bei einem Stromausfall ausfallen würde, wird dieser Verbrauch ebenfalls kaum erwähnt. Ganz anders bei den Wärmepumpen, wo vorbildlich mit Kohlestrom gerechnet wird. So gesehen ein «worst case»-Szenario, was nur besser und auch wirtschaftlicher werden kann. Leider viel zu oft nicht erwähnt werden die «Wärmepumpen- und Passiv-Systeme», die es ebenfalls schon seit Jahren gibt.
    Als Beispiel: Alles, was es zum Heizen mit einer Bodenheizung braucht, ist körperwarmes Wasser im Vorlauf (max 40°). Wer das zufällig selbst fördern kann, brauch nur Mischer, Wärmetauscher, Umwälzpumpe anschliessen und kann auf die sperrige «Heizanlage» verzichten. #think #latenteWärme

  • Leonid Leiva

    02.10.2018 15:19:57

    Sehr geehrter Herr Schenker

    Besten Dank für Ihren Kommentar.

    Sie sprechen mit Ihrer Kritik an Holzheizungen vermutlich das Problem der Feinstaubemissionen an. Dies ist in der Tat eine beträchtliche Umweltbelastung, die in umfassenden Umweltbilanzen entsprechend berücksichtigt wird. Die im Artikel gezeigte Grafik stellt mit den schwarzen Balken nur die Klimabelastung der verschiedenen Heizsysteme dar, und in diesem Punkt schneiden Holzheizungen recht gut ab, weil Holz klimaneutral ist. Doch selbst in Bezug auf den Feinstaub-Ausstoss gibt es unter den Holzfeuerungen Unterschiede. Pelletheizungen zum Beispiel produzieren deutlich weniger Feinstaub als Stückholz- Holzschnitzelheizungen, vorausgesetzt die eingesetzten Pellets tragen das Qualitätssiegel von Holzenergie Schweiz.

    Freundliche Grüsse
    Leonid Leiva